Zwei Flugschulen, ein Testschirm und die ersten Thermikflüge des Jahres dazu viel Geselligkeit ist mein Osterfazit. Die Flugschule Sky Club Austria stellt während einwöchiger Flugsafaris interessierten Piloten ihre Fluggebiete rund um den Dachstein vor. In der Woche ab Ostermontag war ich dabei. Aufgrund einer Verabredung in Vorarlberg am Ostersonntag und weil Karfreitag und Samstag nicht ungenutzt bleiben sollten fuhr ich zum Auftakt erstmal nach Chur ins Schweizer Rheintal.

Schlechtwetterprogramm: Spaziergang durch Chur, der ältesten Stadt der Schweiz
Die ganze Zeit Pommes und Döner um Geld zu sparen aber ein Stück Kuchen aus der zuckerbäckerei musste dann doch sein.

Fliegen bei Walo im Rheintal

Über den Freitag wollen wir keine unnötigen Worte verlieren, am Samstag war fliegen angesagt. Ich machte mich auf den Weg nach Laax um auf den Crap Sogn Gion zu fahren. An der Seilbahn angekommen stellte ich fest: Der Gipfel war im Nebel, die Massen an Skifahrern endlos. Kurzentschlossen rief ich Walo von der Flugschule Swissfly an. Sie wollten in kürze nach Ilianz zum Fliegen fahren. Ich gesellte mich dazu, ohne zu wissen wo oder was das ist. Nur 500 m Höhendifferenz aber ohne Skifahrer und wie sich herausstellte, mit einem schönen Hausbart. Bei Walo bezahlt man 10 Franken pro Bergfahrt aber man kann auch 10er Karten kaufen. Flugbetrieb ist bei geeignetem Wetter täglich außer dienstags und donnerstags. Den ersten Flug musste ich nach einer guten Stunde abbrechen da ich mir nicht sicher war ob ich noch Finger habe um die Steuerleine zu halten. An der Basis ist es eben noch ganz schön frisch. Glücklicherweise konnte Walo mir ein paar dicke Handschuhe leihen und so stand einem langen Flug bei jetzt viel höherer Basis nichts mehr im Wege.

Das Ersatzprogramm war eine Zugfahrt nach Arosa mit der Rhätischen Bahn
Zuerst Straßenbahnähnlich durch Chur und dann steil ansteigend ins Gebirge geht es nach Arosa.
Bereitstellung des Zuges nach Chur

Der Crap Sogn Gion hatte inzwischen seine Wolkenhaube abgelegt und laut Walo könne man recht einfach hinauf fliegen. Schön! Eine Aufgabe!  Ich machte mich an die Umsetzung. Hausbart auskurbeln, Talquerung Richtung Falera und wieder aufkurbeln. Über der Kirche von Falera steht ein toller Bart. Ich drehe mich fast bis auf Gipfelniveau hoch. Oben angekommen flog ich Richtung Gipfel und dachte, an der Kante zum Schnee müsste sich nochmal was ablösen aber da war nichts. Zurück zur Kirche. Kaum über der Kirche fingen die Klapper an, das Ganze war ziemlich spaßbefreit und ich wusste nicht was los war. Da für den Mittag der Föhngradient zunehmen sollte und auch der Talwind ein Bergwind war, also von der falschen Richtung wehte beschloss ich, vorsichtshalber, schnellstmöglich zu landen. Laut Walo war es einfach nur die Frühjahrsthermik aber da war ich schon unten. So ist das. Von diesen Flügen gibt es aufgrund einer temporären geistigen Unpässlichkeit des Autors leider keine Fotos.

Der Gradient Golden

Ennstal Morgenstimmung 2
Beim Joggen am Michaelerberg.
Pferde
Krötenhaufen

Am Sonntagabend ging es dann vom Rheintal ins Ennstal. Zu Beginn am Montag bekam ich meinen Testschirm ausgehändigt, den ich diese Woche anstatt meines Gradient Bright (A-Schirm) fliegen sollte, ein Gradient Golden (Low Level B). Ebenfalls stand ein Advance Iota (High Level B) für mich bereit. Die Unsicheren und die Neubeschirmten machten sich auf zum Übungshang. Zuerst ein paar Startübungen mit dem Golden. Der Schirm lässt sich super aufziehen. Die ersten zwei Starts waren noch etwas holprig aber schnell kam ich mit dem Golden zurecht. Leider war es mir nicht mehr vergönnt, den Iota auszuprobieren da sich am Übungshang Rückenwind einstellte. Der Iota überraschte mich mit farblosen Leinen was ich sehr negativ fand, positiv fiel mir die magnetische Befestigung der Steuerleinen auf. Ohne das Einfliegen am Übungshang hatte ich den Schirm dann auch in der restlichen Woche nicht mehr geflogen.

Der Grimming ist zentraler Blickfang und Ziel meiner gegenwärtigen fliegerischen Träume :-)
Am Übungshang
Gradient Golden

Hauser Kaibling

Landeplatz Haus
Seilbahn auf den Hauser Kaibling
Hauser Kaibling Startplatz

Nachmittags am Hauser Kaibling stand der erste Höhenflug mit dem Golden an. Dies ist der erste Flug mit einem anderen Schirm und ich war total gespannt ob ich einen Unterschied merken würde. Der Start war unproblematisch, geradezu elegant, das Thermikkurbeln am Hausbart über der Antenne die reinste Freude. Wenn man an der Leine eine Kurve bestellt wird auch eine Kurve geliefert. Mein Bright verlangt eine zweifache Ausfertigung und Bestätigung bevor er sich dazu bequemt, eine Kurve einzuleiten. Ich dachte schon, das liegt an mir. Ich flog weite Kurven und sehr enge Kurven und konnte sehr feinfühlig justieren. Zum ersten Mal konnte ich einen Bart auch eng zentrieren und plötzlich heulte das GPS auf und zeigte eine Luftraumverletzung an.  Luftraum C der CTR Salzburg sollte das sein. Ich konnte mich an keinen Luftraum erinnern und die anderen stiegen munter weiter. Manche konnten an diesem Abend bis auf 3000m MSL aufdrehen. Ich hatte natürlich wiedermal kein Funkgerät dabei und konnte nicht nachfragen darum probierte ich ein wenig dynamischer mit dem Schirm zu fliegen und landete wenige Minuten später sehr zufrieden neben Walter von der Flugschule der ebenfalls einen Schirm getestet hatte und wir lobten unisono unsere Schirme.

Flug vom Kaibling
Flug vom Kaibling 2
Alle Gute kommt von Oben.
Landeanflug in Haus

Nachdem ich mich vergewissert hatte, dass die Luftraumverletzung auf einem Datenfehler beruht konnte ich am nächsten Tag bis zur Basis aufdrehen (2600m MSL) und machte mich auf zum ersten echten Streckenflug. Kurz nach dem Abflug von der Basis legte sich ein großer Schatten über die Gegend und aus dem Streckenflug wurde ein Streckenabgleiter der bei 2000 m Höhendifferenz aber auch nicht zu verachten ist. Kurz vor dem letzten Dorf das ich überfliegen wollte sank ich in den Gegen-Talwind und hatte nur noch eine Gleitzahl von 2 – im Höhenwind war es noch 10 – keine Chance, zum Flugschullandeplatz zu gelangen. Ich suchte mir die größte Wiese, die locker 1 km lang war und verzichtete auf eine Landevolte. Jeder Meter weiter verkürzte meine Geh-Strecke. Diesen Außenandeplatz nützte ich diese Woche noch ein weiteres Mal. Er hatte sich bewährt.

Der Klassiker: Am Bischling
Fluglehrer
Alpha im Aufwind
Kurbeln überm Bischling 2
Kurbeln überm Bischling
Bewölkung

Und Sonst?

Die ganze Woche war es leicht Föhnig, mal mehr, mal weniger. Einige Male ist er auch im Ennstal durchgebrochen was man daran erkennt, dass der Wind am Landeplatz aus Süd kommt und somit vom Berg herunter weht. Bei leichter Föhn Tendenz gibt es einige Fluggebiete die bei guter Ortskenntnis noch beflogen werden können. Die Flugschule hatte das Beste daraus gemacht und wir flogen im Laufe der Woche auch noch vom Bischling und vom Stoderzinken. Den Golden habe ich am Ende schweren Herzens zurück geben. So eine Investition will erstmal finanziert werden.

Stoderzinken Transportservice
Stoder-Gipfelsturm
Zum Stoderzinken
Stoder Windfahne
Stoderzinken Startplatz

Erwähnen möchte ich auch noch das phantastische Schlosshotel Thannegg in dem ich wohnte. Gerlinde und Ernst haben es geschafft, eine tolle freundschaftliche Atmosphäre zu schaffen die ihresgleichen sucht und die 5 Gänge-Menü am Abend sind von besonderer Qualität. Normalerweise wohnen noch weitere Flieger dort und man sitzt am Fliegerstammtisch zusammen. Billig wohnt man im Thannegg nicht aber sehr preiswert.

Abendessen auf dem Schloss
Abendessen auf dem Schloss 2

Links

Walos Flugschule Swissfly.

Fluggebiet Ilanz-Ladir beim DHV.

Die Flugsafari Flypark Dachstein werden vom Sky Club Austria veranstaltet.

Fluggebiet Stoderzinken beim DHV. Laut Walter ist der Landeplatz aufgelassen. An der 90 grad-Kurve des Weges befindet sich ein Notlandeplatz, sonst wird auf den Landeplätzen im Ennstal gelandet.

Fluggebiet Hauser Kaibling beim DHV.

Manfreds Video vom Kaibling-Flug.

Das Schlosshotel Thannegg verwöhnt seine Gäste.

Written by Florian

3 Comments

Martin

Sehr schön geschrieben, das macht sofort Lust seinen Kram zu packen!
Verpackt mit netten Sprüchen! Top! Besonders gut fand ich die temporär geistige Unpässlichkeit. 😀

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Margarete

Schöne Bilder, schön geschrieben. Auch ein schöner Rückblick für mich, da ich einen Teil miterleben durfte.
War eine schöne Woche und macht gleich wieder Lust auf neue Erlebnisse!

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