An einem der letzten Dezembertage des Fünfzehnerjahres begab ich mich Richtung Mariazell um in den dortigen Bergen mit Freunden den Jahreswechsel zu verbringen. Wo Berge sind da muss natürlich der Gleitschirm immer am Mann sein. Die Tour war so die Bewährungsprobe für mein neues Wendegurtzeug, das dieses mit bravour bestanden hat.

Mit der Mariazellerbahn ab St. Pölten geht es in gut 2 Stunden nach Mariazell
Den ersten Teil der Strecke geht es durch dichten Nebel.
kommt die Sonne

Aufgrund der schönen Tage fuhr ich sogar zwei Tage früher ins Mariazeller Land um das dortige Fluggebiet für die vorherschende Südlage (Windrichtung) zu inspizieren, die Gemeindealpe. Nach einer langen Zugfahrt nach Wien samt Übernachtung befand ich mich also am letzten Dienstagsmorgen des alten Jahrs in der Mariazellerbahn und fuhr durch den dichten Nebel. Ich war bereits besorgt ob sich der Nebel vielleicht doch bis oben hielt als der Zug den entscheidenden Tunnel durchfuhr und am anderen Ende von einer wunderschönen Morgensonne angestrahlt wurde.

Die Basilika von Mariazell ist einer der wichtigsten Wallfahrtsorte Europas.
Mariazell
Straßenzug in Mariazell

Fliegen von der Gemeindealpe

In Mariazell schnell in die Unterkunft eingecheckt ging es sofort los. Zwar gibt es auf die Gemeindealpe auch einen Sessellift der in Betrieb war aber um diesen zu erreichen müsste ich den halben Berg umwandern. Da das Flugvergnügen aufgrund der stabilen Luftschichtung eh recht kurz werden würde entschied ich mich für die Hike and Fly Variante. Zuerst zum Erlaufsee, diesem folgend bis zur Wanderwegmarkierung und dann immer nach oben. Nach einer guten Stunde erreichte ich den Demotivator in Form der Mittelstation der Seilbahn. Kurz überlegte ich, ob ich die zweite Hälfte vielleicht doch fahren sollte aber mittels intensiver Selbstmotivation konnte ich mich zur Vollendung der begonnen Wanderung durchringen. Wesentlicher Teil der Motivationsstratiegie waren das Essen und Trinken das ich mir auf der ebenfalls vorhandenen Hütte gönnte. Frisch gestärkt nahm ich die restlichen 400 m in Angriff und nach einer weiteren Stunde war die Gemeindealpe mein.

Am Rande des Erlaufsees beginnt der Aufstieg auf die Gemeindealpe
Die Blumen blühen ende Dezember, Zweige haben bereits Knospen
Der Weg auf die Gemeindealpe
Wildbratwürstel auf Weinkraut auf der Mittelstation
Wildbratwürstel mit Weinkraut und einen gespritzen Apfelsaft als Motivator für den restlichen Aufstieg.
Blick vom Gipfel der Gemeindealpe Richtung Donau auf das Nebelmeer

Von der Gemeindealpe kann man in fast alle Richtungen starten, bei Südlage ist sie der einzige Flugberg in der Gegend. Ein weiteres Fluggebiet in der Nähe ist die Bürgeralpe auf die man direkt in Mariazell auf fährt und der Ötscher, den man aber nur von der anderen Seite aus von Lackenhof per Seilbahn erreicht. Beide sind Flugberge für Nordwestlagen und kamen daher aufgrund der vorherrschenden Südwinde nicht in Frage. Der Ötscher scheint (von unten betrachtet) Startmöglichkeiten Richtung Süd zu haben jedoch keine Notlandemöglichkeiten da sich hier die berühmten Ötschergräben befinden welche sich tief in die Landschaft einschneiden umgeben von viel Wald. Ich musste mich aber diesbezüglich nicht weiter grämen da mir die weiteren Flugentscheidungen von den stärker werdenden Winden abgenommen und negativ beschieden wurde. So blieb es leider auch die restliche Zeit.

Südweststartplatz auf der Gemeindealpe
Start bei Nullwind bis leichtem Rückenwind.
kurz nach dem Start von der Gemeindealpe

Das Panorama das sich mir in alle Richtungen bot war toll. Richtung Donauebene und Wien war ein weißes Nebelmehr und die ersten Täler waren auch noch mit weißer Watte gefüllt. Ein Tal lief gerade über und das weiße Etwas floss ins Nachbartal. In die andere Richtung, richtung Sonne konnte man die verschiedenen Grenzen der Inversionsschichten sehen. Es würde ein sehr ruhiger Flug werden. Auf der Suche nach dem passenden Startplatz machte ich ein fragendes Gesicht bis mir ein Fliegergenosse entgegen kam. Ich lief ihm in tiefstem Vertrauen hinterher und wir starteten Richtung Süd auf einer schönen Wiese. Die Richtung war eh egal da der Wind inzwischen komplett eingeschlafen war. Ich ließ mir noch schnell den Landeplatz erklären („In Mitterbach hinter der Talstation der Seilbahn neben dem Schwimmbad. Nicht zu verfehlen.“) und dann ging es los. Ursprünglich war mein Plan, auf den Wiesen hinter dem Erlaufsee zu landen, diese hatte ich bereits bei der Wanderung begutachtet und für geeignet befunden aber wenn es schon einen offiziellen Landeplatz gibt, und man auch weiß wo er ist, kann man ihn auch benutzen.

 

 

Wie erwartet war der Flug ruhig und unspektakulär aber sehr schön. Ich konnte mich zurücklehnen und die Gegend genießen. Trotz allem mussten bei 800 m Höhendifferenz 3,5 km zurückgelegt werden und der Fliegerkollege hatte mich noch gewarnt, bei eventuellem Gegenwind direkt Richtung Landeplatz zu fliegen da man diesen sonst möglicherweise nicht mehr erreicht. Über der Mittelstation gab es noch einen dynamischen Aufwind der mich etwas überrasche, ich hatte noch nicht Mal das Vario an aber trotzdem bekam ich beim Durchfliegen noch so viel Höhe mit, dass ich mich dem Landeplatz mit komfortabler Höhe näherte. Man sollte sich vorab über die Anflugregeln informieren da der Flugplatz von Mariazell in Sichtweite ist. Da ich mir ncht ganz sicher war flog Ich einfach dem anderen Fliegerkollegen hinterher eine Rechtsvolte über das Schwimmbad, das Landefeld immer zwischen mir und dem Flugplatz haltend. Leider war es schon zu spät für eine weitere Auffahrt da der Lift nur bis 15:00 in Betrieb ist. Daher war das mein einziger Flug von der Gemeindealpe.

 

Da der Wind zum fliegen zu stark ist, fahre ich am Tag 2 Richtung Ötscher und zu den Ötschergräben.
Südseite des Ötschers mit Ötschergräben unterhalb.
Die Ötschersüdseite scheint ein Traum zum fliegen zu sein aber ein Alptraum zum landen.
Einfahrt der Himmelstreppe in den Bahnhof Erlaufklause - auf dem Rückweg nach Mariazell.

Auf die Hittn

Am letzten Tag des Jahres traf ich mich dann mit 4 Freunden um auf die Farnbodenhütte zu wandern wo wir die nächsten 3 Nächte verbringen wollten. Der Farnboden ist eine Alm auf 1200 m umgeben von Wald. Da ich auf der Karte einige potentielle Flugmöglichkeiten wie beispielsweise den Vorderern Zeller Hut mit 1600 m ausgemacht hatte, nahm ich den Gleitschirm mit auf die Hütte. Als Rucksack musste daher das frisch erworbene Wendegurtzeug herhalten in dem neben dem Schirm selbst noch das Gepäck und Verpflegung für 3 Tage Platz inklusive Schlafsack und Isomatte finden musste. Es passte alles hinein oder dran, ich war begeistert.

Nach der Ankunft gibt es erstmal eine Jause in der Sonne.
Im Eingangsbereich lagert das Holz für den Herd-Ofen, geradeaus durch geht es zum Plumpsklo, daher sollten die beiden Zwischentüren immer geschlossen bleiben, und natürlich auch wegen des Wäremeabflusses.
Wasser muss von der Quelle geholt werden.
Die Präferenz ist wohl eindeutig. Die anderen Fenster sahen genauso aus. Am Ende war tatsächlich alles weg.

Weniger begeistert war ich von dem Gewicht. Die Wanderung dauerte aber nur 1,5 Stunden und da kein Schnee lag war sie einfach zu bewältigen. Ich hatte mich schon auf 3 Dosen Bier und eine Flasche Rum eingeschränkt. Die anderen hatten teilweise 15 Dosen Bier im Marschgepäck. Ebenfalls im Gepäck waren alle Zutaten für Krautfleisch, Kaiserschmarn, Sterz, Schweinsbratl mit Semelknödel und Schinkenfleckerl. Das schlimmste was passieren könnte war zuwenig zu Essen und Trinken dabei zu haben.

Gemütliches Zusammensein bei Kerzenschein und Stirnlampe.
Manfred kontrolliert nochmal den perfekten Zustand des Fleisches, zubereitet im Holzofen.
Schweinsbratl mit Semmelknödel und Sauerkraut, zubereitet bei Kerzenschein und im Holzofen
Als Zwischenmalzeit gibt es auch mal Kaiserschmarrn
Prost.
Immer wieder beliebt, das Österreichspiel, ein Bahnreisespiel. Blöd nur, wenn man nach Vorarlberg reisen muss. Dann kann man quasi gleich aufgeben.

Nach einer ersten Stärkung vor der Hütte in den letzten Strahlen der untergehenden Sonne musste der Herd eingeheizt werden und Wasser in Kanistern von der nahen Quelle geholt werden. Sobald es dunkel war gab es nur noch das Licht von Kerzen und mitgebrachten Stirnlampen. Der Ofen war die einzige Wärmequelle und in der ersten Nacht wurde ein Holz-Nachlegeplan aufgestellt. Jede Stunde war ein Anderer dran, das Feuer zu füttern. Als Frühaufsteher habe ich mir die 7:30 Schicht geangelt was mit meinem Vorstellungen vom Aufstehen gut zusammen passte. Es war schön warm am Morgen. Das Wasser war bereits heiß und ich konnte direkt mit meinem Morgenkaffee beginnen. Leider wollten die anderen schon in der nächsten Nacht nicht mehr durchheizen sondern lieber durchschlafen. Auf dem Plumpsklo war es übrigens nie warm was aber auch irgendwie sein Gutes hatte wenn man mal durch das Plumpsloch blickte. In der Silvesternacht robbten wir dann um kurz vor zwölf durch das Unterholz bis zu einem nahegelegenen Aussichtsfelsen von dem man ins Mariazeller Land blicken, Sekt trinken und das Feuerwerk beobachten konnte.

...der Wind ist immer noch zu stark zum fliegen.
Wanderung zum Vorderen Zeller Hut
...Farbe oder Schwarzweis? Bei dem Wetter werden die Fotos quasi von alleine Gut.
Mariazeller Land

Das Tageslicht wurde für Wanderungen genutzt, unter anderem zu meinem potentiellen Startplatz, dem Vorderen Zeller Hut. Da der Wind zu stark zum Fliegen war nutzte ich die Wanderung zumindest für eine Inaugenscheinnahme. Was in Google Earth so vielversprechend aussah bot keine einzige Startmöglichkeit da alles mit Sträuchern bewachsen war. Meine Sorge, keine Landemöglichkeiten zu entdecken war hingegen unbegründet, die gab es von oben sichtbar. Eine tiefergehende Auseinandersetzung, ob es sich lohnt, für einen Startplatz zum Mittleren Zeller Hut weiter zu wandern erübrigte sich allerdings da der starke Wind jeglichen Flug für den kompletten Aufenthalt ausschloss.

Oischingkogel Gipfelkreuz
Das Gipfelkreuz ist nur ungefähr 20 cm groß.
Gruppenfoto am Vorderen Zeller Hut
... und weit und breit kein Startplatz da überall Büsche wachsen. Am mittleren scheint ein Start möglich zu sein jedoch ist das dann schon wieder zu weit von den potentiellen Landeplätzen entfernt.

Wäre der Wind gut gewesen hätte ich mich noch tiefergehend mit der Startentscheidung beschäftigen müssen, da es sich um ein für mich unbekanntes Gelände handelt und es keine ausgewiesenen Fluggebiete gibt: Welche Windstärke und Richtung sind für mich noch akzeptabel? Wo befinden sich die Leegebiete und potentielle Rotoren? Weiß ich tatsächlich genug über die Lademöglichkeiten? Das Problem ist, das „Try and Error“ hier gerne mal tödlich ist. Im Zweifelsfall wird eben nicht gestartet, so verlockend es auch scheint. Ich habe meinen Gleitschirm am Ende unbenutzt wieder mit ins Tal getragen. Schön wars auf da Hittn trotzdem.

 

Der Ochsenboden am Anfang des Aufenthaltes bei der Hinwanderung zur Farnbodenhütte.
Der Ochsenboden am Ende des Aufenthaltes bei der Rückwanderung nach Mariazell.

Links

Farpläne und andere Infos zur Mariazellerbahn

Informationen zu Mariazell und dem Mariazeller Land

Informationen zu Betriebszeiten und Preisen des Gemeindealpen Lifts

Beschreibung des Fluggebietes Gemeindealpe bei Paragliding 365

Seite der Farnbodenhütte mit Kontakt

Orte

Die Karte zeigt eine Übersicht über die im Beitrag genannten Orte:

Direkt zur KML-Datei

Written by Florian

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