Paraglider vor blauem Himmel
Verpflegung an der Bergstation
Startplatz Bischling
Fliegen über dem Nebelmeer

Die Berge sind einfach unwiderstehlich schön. Es war das letzte Wochenende im Januar 2016 und wieder saß ich im Zug Richtung Salzburg und wieder blieb mir fast der Mund offen als die ersten Berge am Horizont auftauchen. Gut, sie können nichts dafür dass gerade in diesen Minuten die Sonne untergegangen ist und die Spitzen als dunkle Silhouette erscheinen, dass ausgerechnet heute die Wiesen neben dem Gleis mit einem 2 m hohen Bodennebel bedeckt sind und die Gegend wie ein mystisches Märchen erscheint. Morgen sollte Rücklagenwetter sein und ich hoffe auf eine tolle Flugpremiere am Bischling, dem Fliegermekka im Salzburger Land mit der ich gleichzeitig meine Flugsaison 2016 eröffne. Zusätzlich werde ich mein frisch erworbenes GPS einweihen mit dem dann zukünftige Streckenflügen nichts mehr im Weg stehen sollte.

Der Zug hatte bei der Ankunft in Werfen über 1,5 Stunden Verspätung aber da ich von Stuttgart aus bis Werfen durchfahren konnte war ich relativ relaxt. Die Unterkunft war 5 Minuten vom Bahnhof entfernt und nach dem Frühstück am nächsten Tag ging es mit dem Skibus ab zum Lift. Eine kurze Diskussion mit dem Busfahrer sicherte mir die kostenlose Mitfahrt. Ob ich denn eine Fahrkarte hätte? Ich erwidere, dass am Aushang stand, der Bus wäre kostenlos woraufhin er mir ungeduldig erklärt, das gälte nur für Skifahrer. Man müsse in Sportkleidung einsteigen. Ich triumphierte. In Sportkleidung war ich eindeutig. Der Fahrer gab auf. Was mache ich denn auch anders als Skifahrer außer dem minimalen Unterschied der nicht vorhandenen Bodenberührung beim runter fahren? Ich hatte also trotzdem ein gutes Gewissen.

Am Startplatz...
Am Startplatz...
Am Startplatz...

Die Tageskarte für Paraglider kostet 25 Euro dazu kommen noch 2 Euro Kartenpfand. Das Abgeben hab ich natürlich vergessen. Das Auffahren ging schnell, die Wartezeit waren nur kurz und das trotz eines perfekten Ski-Samstages. Der Startplatz für Gleitschirmflieger befindet sich unterhalb der Bergstation und ist perfekt präpariert (wie auch der Landeplatz der sich neben der Straße, 500 m vor der Talstation befindet). Das Wetter war genial, die Fernsicht unbeschreiblich. Der Landeplatz war gerade so hoch um frei vom Bodennebel zu sein ansonsten erstreckte sich ein riesiger Nebelsee im Tal. Es war viel Flugbetrieb inklusive Tandems und Schulung. Thermik gabt es selten und wenn, dann immer wenn ich vom Landeplatz nach oben geschaut hatte. Im Sommer soll es an vergleichbaren Tagen unerträglich voll sein, Streckenfliegen kein Problem, beispielsweise Richtung Enstal.

Landeplatz Bischling
Blick vom Landeplatz zum Startplatz
Anflug zum Landeplatz

Ich machte vier Flüge in denen ich unterschiedliche Strecken Abflog um das Gebiet kennen zu lernen die allesamt abgesehen vom Panorama völlig unspektakulär waren. Bei der zweiten Landung verspürte ich jedoch zirka 10-20 m über dem Boden einen Absacker, der Schirm hatte sich jedoch gleich wieder gefangen. Das wäre nicht weiter spektakulär gewesen, hätte ich mich nicht ziemlich intensiv mit dem Artikel „Windgradient im Landeanflug“ aus der letzten DHV-Info beschäftigt (siehe auch Link am Ende). Im aktuellen Fall war am Landeplatz Nullwind und in der Luft Zirka 10 km/h Wind. Aufgrund des Bodennebels war der Kaltluftsee auch sichtbar. Scheinbar war der Übergang zwischen Wind und Windstille so schnell dass der Schirm die Geschwindigkeit erst ausgleichen musste. Meine instinktive Reaktion war „Bremsen“ was im Nachhinein gesehen völlig falsch war. Irgendwie ist „Bremsen“ die Reaktion auf alles. Es ist das einzige das der Pilot aktiv machen kann. Bewusst nichts zu tun ist wesentlich schwerer.

Ach ja, das GPS (Flymaster GPS SD) hatte den Jungfernflug gut überstanden. Alles in allem bin ich zufrieden damit. Einmal hatte ich aus irgendeinem Grund nach dem Start das Auswahlmenü anstatt den normalen Flugbildschirm und wusste nicht wie ich zurückkomme. Ich wusste nur irgendwann schlagartig, würde ich mich länger auf dieses blöde Menü konzentrieren anstatt auf den Flug, würde ich gleich in dem Baum da hängen und überließ das Gerät erstmal sich selbst. Oh heilige Automatik, der Bildschirm hatte sich dann von selbst wieder eingestellt. Jetzt konnte ich auch endlich mal die Geschwindigkeit meines Schirmes verifizieren und obwohl ich immer gemeckert habe, dass mein Bright 4 so langsam ist komme ich doch mit Beschleuniger auf 48 km/h. Ich glaube das ist ganz ok.

Links

Fluggebiet Bischling auf Paragliding 365

Die Bergbahnen Werfenweng über das Fluggebiet

Diskussion zum DHV-Info Artikel „Windgradient im Landeanflug“ im Forum.

Written by Florian

2 Comments

Martin Piehslinger

Wieder einmal ein echter Flo! Super geschrieben wie immer!

Den Bischling im Winter kennenlernen is eine gute Idee, so habe ich es auch gemacht.
Komm im Sommer wieder, du wirst sehen was der mittlerweile bekannte Berg so drauf hat!

Gruß aus dem Lungau, wo ich wettermäßig aber sowas von gegroundet bin.
Martin

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Florian

Danke, Martin. Ich wusste garnicht dass es den Lungau gibt aber er ist ja garnicht mal so weit vom Bischling weg. Glaube ja nicht, dass ich freiwillig im Winter geflogen bin 🙂 Das war mehr die Macht des faktischen.

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