Dies ist der zweite Teil des Berichtes „Vor dem Wetter auf der Flucht. Zum ersten Teil.

Ab heute, Samstag gab es überall nur schlechtes Wetter. Einzige Ausnahme war die Provence also sagten wir bereits wieder „Arividerci Lago di Como“ und „Bonjour Provence“. Der Weg dahin zog sich sehr; aber der Wind war heute eh zu stark zum Fliegen. Zwischen Mailand und dem Apennin gerieten wir in einen heftigen Wintereinbruch. Der Schneefall war so heftig, dass wir erstmal eine Stunde von der Autobahn fuhren und das nächste Kaffee für eine Pause nutzten. Zuerst musste ich mir aber in dem Kaffee eine Schaufel ausborgen um den Parkplatz frei zu schaufeln. Nach der Pause geht es wieder langsam vorwärts. Erst gegen Abend trafen wir in Roquebrune bei Monacco ein um den Landeplatz des dortigen Fluggebietes am Mont Gros zu inspizieren. Leider war der Strandabschnitt den wir als Landeplatz ausgemacht hatten abgesperrt. Wir schlossen daraus, dass es zu Zeit nicht möglich ist, vom Mont Gros zu fliegen was aber dank genügend alternativen kein Problem war.

Wintereinbruch hinter Mailand
Parkplatz freischaufeln
Monaco

Sonntag: Gourdon

Heute sollte das Wetter passen, nur gegen Nachmittag etwas Bewölkung aufkommen, sonst Sonne pur und Wind in erträglicher Stärke. Wir entschieden uns für das Fluggebiet um Gourdon im Hinterland von Nizza. Gourdon ist ein provenzalisches Dorf unweit von Grasse das hoch über dem Tal thront und zumindest Sonntags Massen von Besuchern anzieht die vor dem Dorf auf zwei Parkplätzen parken. Die Bewohner haben sich dem angepasst und das Dorf zu einer Art Disneyland aufgerüstet.

Schild am Parkplatz
Weg zum Startplatz
Auf der Hochebene
Am Startplatz

Als Flieger fährt man an der Kreuzung vor dem Dorf, wenn man aus Richtung Grasse kommt nach inks den Berg hinauf. Es gibt hier zwei Fluggebiete, zum einen das Plateau de Cavillore rechterhand der Straße und das Platteau de Caussole und den Startplärten Lembarnier auf der linken Seite. Will man wie wir, am Plateau de Cavillore starten parkt man auf dem Parkplatz der nach einigen Kurven auf der rechten Seite kommt. Direkt neben dem Parkplatz kann man wieder einlanden ansonsten fliegt man hinaus ins Tal zum offiziellen Landeplatz muss dann aber erstmal wieder irgendwie hinauf kommen. Vom Parkplatz folgt man einfach dem Pfad auf das Plateau und hält sich oben rechts bis zu den Windfahnen. Überflüssig zu erwähnen, dass dies der Startplatz ist.

Aufgrund von „Verzögerungen im Betriebsablauf“ wie der Eisenbahner sagt, war es bei Ankunft am Startplatz bereits nach 12 Uhr und es gingen ziemlich heftige Böen durch, anfangs teilweise von der Seite, später aber nur noch von vorn. Nach meinem Dies Horribiles am Einkorn was den Rückwärtsstart bei starkem Wind betrifft hatte ich jetzt wenig Selbstvertrauen und entschied mich, nicht zu starten solange es so böig ist. Johannes mit seiner kleinen Susi fand das Wetter super und startete 2 Mal; doch lastete der Fluch des Abgleiters über ihm. Als er das dritte Mal am Startplatz ankam entschied auch er sich für das Herunterlaufen da es sich inzwischen mit tiefdunklen Wolken ringsherum zugezogen hatte.

Paraglider
Abstieg
Gourdon

„We called it a day“ wie der Engländer sagt und wanderten hinunter zum Auto. Eine kurze Besichtigung des Dorfes Gourdon führte zu dem Ergebnis, dass wir den Nachmittagskaffee woanders trinken wollten. Da war noch Greolieres, 10 km weiter, das auch ein super Fluggebiet sein soll. Wir fuhren hin. Auf der Fahrt stellten wir fest, dass es mit Landeplätzen schlecht aussieht in dem engen Tal. In Greolieres gibt es natürlich den offiziellen Landeplatz und darum ist fliegen kein Problem aber wer sich weiter weg wagt muss sich dessen bewusst sein. In Greolieres war deutlich weniger los und wir stürmten die Bäckerei im Zentrum wo sich eine nette Frau langweilte.

Fluggebiet Greoulieres
Bäckerei
Tal bei Greoulieres

Montag: Gourdon und Heimreise

Nachdem wir am Tag zuvor vom Plateau de Cavillore die Gleitschirmflieger-Wolke auf dem anderen Berg neidisch beobachtet hatten war uns klar, hier gibt es noch mehr zu entdecken. Anstatt am gleichen Parkplatz zu parken fuhren wir die Straße noch einige Schleifen weiter bis es wiederum rechts zu den Startplätzen geht. Nicht zu übersehen weist auch ein Schild darauf hin. Wir parkten und gingen zu Fuß zum Hauptstartplatz. Die Locals fahren die Hoppelpiste auch bis ganz zum Startplatz aber das muss das Auto mögen.

Schild zum Startplatz
Zwei Paraglider
Paraglider am Start

Wieder war es Böig, aber die Böen waren länger und die Pausen auch. Für mich war es heute Ok. Auspacken, losstarten, es trug. Ich machte viel Höhe, es trug nicht mehr, ich verlor Höhe. Nichts – nur abwärts. Ich flog bereits wenige Minuten nach dem Start Richtung Landeplatz, einer Wiese unterhalb des Startplatzes. Das Gebiet um den Landeplatz blubberte heftig vor sich hin und das ab achtern gestaltete sich als überraschend schwierig da das Landefeld begrenzt war. Was, wenn es für eine letzte acht zu wenig Höhe ist aber für den Endanflug noch zu viel Höhe weil die Länge des Endanfluges völlig unberechenbar ist? Ich hatte in der letzten 8 jedenfalls schon die Arme für die Baumlandung ausgebreitet als mich eine Blubberblase wieder über Baumniveau brachte. 10 Sekunden später war ich am Boden. Punktlandung. Später im Auto war mir eingefallen, dass ich die Ohren hätte anlegen sollen, wie ich es bei den Schweizern im Landeanflug schon gesehen hatte. Das verkleinert die Schirmoberfläche und verringert die Anfälligkeit für Blubberblasen. Das Sinken wird größer.

2 Minuten später landete auch Johannes – ohne Probleme. Liegt es am anderen Schirm oder am Können? Wir werden es nie erfahren. Dafür war sein Flug noch kürzer als meiner, das Anfängliche Steigen hatte er wegen des späteren Starts ausgelassen. Der Fluch des Abgleiters war immer noch allgegenwärtig. Schade, dass wir uns nun bereits auf den 1000 km langen Heimweg machen mussten, aus diesem Flugtag hätte man noch was machen können. Sonderbarer Weise kamen wir 10 Stunden später ohne einen einzigen Stau abends in Leonberg an.  Das Fluggebiet hat jedoch seine Probe bestanden und wird im Jannuar 2017 wieder angesteuert. Dann mit mehr Zeit.

Written by Florian

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