Eine Woche zum Fliegen stand auf dem Programm. Aber wo? Es war Anfang März und ein Tief jagte das Nächste durch Land. Verschieben war keine Option, zu groß der Drang nach Frischluft. Mobil bleiben hieß da die Devise. Angefangen an unserm Schwäbisch Haller Hausberg, dem Einkorn fuhren wir über Gotthard und Comer See bis nach Nizza. Wir, das sind Johannes und Florian. Fliegen konnten wir nicht so viel wie erhofft aber spannend war der Urlaub trotzdem. Einige neue Fluggebiete konnten wir erkunden und das Reiseziel Januar 2017 steht schon fest.

Dienstag: Einkorn

Fliegen am Einkorn
Fliegen am Einkorn 2
Im Windschatten des Busches kann man sich in Ruhe richten
Kurz vor dem Start

Im Norden der Alpen Staubewölkung und im Süden Föhn – da war das deutsche Flachland angesagt und was bietet sich bei Westwind besser an als unser guter alter Hausberg, der Einkorn? Bei einem Wind um die 20 km/h herrschten optimale Soaringbedingungen allerdings machte mir die dünne Schneedecke am Einkorn zu schaffen. Immer beim rückwärts Aufziehen und auf den Schirm zulaufen konnte ich nicht mehr bremsen und geriet ins Rutschen, verlor das Gleichgewicht und der Schirm wurde instabil. Ein paar Mal klappte es aber doch und sowohl Johannes als auch ich konnten unseren persönlichen Einkorn-Rekord toppen (zwischen 5 und 10 Minuten), alles in allem war ich aber am Ende des Tages etwas frustriert. Zur Feierabendzeit kam noch Mr. Einkorn mit der Bemerkung „Der Wind könnte etwas stärker sein“ 🙂 So unterschidlich ist das Empfinden.

Mittwoch: Cari

Startplatzpanorama
Startplatz im Schnee
Johannes im Landeanflug
In Faido: Warten auf den Bus

Kein Föhn mehr und ein bisschen Sonne südlich des Alpenhauptkamms und eindeutig schlechtes Wetter im Norden war der Grund am nächsten Morgen um 4 Uhr Richtung Comer See aufzubrechen. Bereits ein paar Stunden später spürten wir die angenehme Wärme am südlichen Ende des Gotthardtunnels. Von einer früheren Tour war mir das Fluggebiet um Cari bekannt, damals war jedoch der Lift geschlossen. Heute war er nicht geschlossen und das Wetter für einen schnellen Abgleiter ideal. Also fuhren wir in Faido von der Autobahn und folgten der Beschilderung nach Cari, einem hochgelegenen Bergdorf. Von dort geht ein Sessellift auf den 2279 m hohen Betolin du Lèi. Die Auffahrt kostete 10 Franken pro Person.

Oben angekommen mussten wir uns erstmal bei einem Cappuccino an das Panorama gewöhnen anschließend suchten wir uns einen Startplatz. Wir folgten dem skifahrenden Speedflyer, der bereits zum zweiten Mal an uns vorbei lief, zirka 100 m Richtung Süden. Der Schnee war stellenweise sehr tief und mein erster Startversuch endete in selbigem. Für den zweiten Startversuch, der erfolgreich war, suchten wir eine bessere Stelle. Es folgte ein schöner Flug ins Tal. Man kann in Cari landen, was im sommer bei starkem Talwind wohl auch zu empfehlen ist, wir flogen aber ins Tal nach Faido. Der Landeplatz befindet sich auf einer Wiese südlich der Ortschaft. Von Faido nach Cari fährt man mit dem Postbus mehrmals am Tag oder per Autostopp. Ich wählte letzteres und musste viele Autos passieren lassen bevor jemand anhielt. Anhalter mitnehmen scheint hier nicht so üblich zu sein. Ein ziemlich cooler Bauarbeiter mit seinem Pritschenwagen nahm mich dann mit und fuhr mich bis direkt zum Auto, ich vermute, dass er eigentlich früher hätte abbiegen müssen, eine komunikation war jedoch schwierig. Ich verstand jedoch, dass er mich hatte fliegen sehen :-). Wieder am Auto ging es weiter nach Süden. Das heutige Ziel heißt Suello am Rande der Po Ebene. die Fahrt durch Como dauerte 2 Stunden und war sehr Nevenaufreibend. Besser man meidet Como wenn es geht.

Donnerstag: Monte Cornizzolo

No Cava
Im Lee des Föhns peitschen die Rotoren eindrucksvoll auf den See.
Halbe Höhe
Dank Föhn ist die Sicht vom Gipfel des Cornizzolo nach Norden überwältigend

Suello liegt am Rande der Po-Ebene und am Fuße des Monte Cornizzolos. Die Lage an der Po-Ebene macht den Cornizzolo bei Südwind zum idealen Flugberg mit einfachen Flugbedingungen und toller Aussicht über den Comer See im Norden. Heute war allerdings Nordwind und somit Föhn. Die Rotoren peitschten im See vor dem Berg eindrucksvoll sichtbar. Wir ließen die Schirme in der Unterkunft und wanderten so auf den Cornizzolo. Wie bei Föhn normal, war die Sicht gigantisch. Der Weg beginnt in Suello und ist super ausgeschildert da es sich scheinbar auch um einen Pilgerweg handelt. Die Kreuze unterwegs sind durch nummeriert und enden am „No Cava, einem Aussichtspunkt der dank dieses Schriftzuges bereits von unten nicht zu übersehen ist. „No Cava“ heißt übrigens „kein Steinbruch“ und ist ein Protest gegen einen geplanten weiteren Steinbruch am Cornizzolo der offensichtlich bis heute erfolgreich erfolgreich verhindert wurde. Weiter geht es der Beschilderung nach, immer nach oben. Der Weg zieht sich, es handelt sich um einen Schummelberg, der immer noch höher wird, wenn man meint, da zu sein.

Auf dem Weg durchs Tal kommen wir am Bergkloster San Pietro vorbei.
Bärlauch
Vor der Unterkunft

Der Startplatz ist einfach, im Prinzip findet sich in alle Richtungen ein geeignetes Fleckchen, Landeplätze gibt es zwei, auf jeder Seite von Suello einen. Nach dem obligatorischen Gipfelfoto machen wir uns wieder auf den Abstieg, vorbei am weithin sichtbaren Refugio SEC, das im Sattel auf dem Weg zum nächsten Berg liegt. Bis zu diesem Schutzhaus führt auch eine nicht-öffentliche Straße. Für nicht Hike und Fly begeisterte lohnt es sich, die örtliche Flugschule anzusprechen. Kurz nach dem Schutzhaus biegt ein Pfad nach rechts in das enge Tal Richtung Kloster San Pietro und zurück nach Suello. Unterwegs kamen wir an einer Höhle mit leckerem Quellwasser vorbei und an Stellen mit dem ersten jungen Bärlauch. Der Speiseplan wurde kurzerhand angepasst und es gab abends Bärlauch-Spagetti.

Freitag: Monte Croce

Montes Calbiga, Tremezzo und Crocce/Crocione (v.r.n.l.)
Bellagio von der Fähre aus gesehen.
Cadenabbia nach Ankunft mit der Fähre
Comer See mit Wellen

Heute sollte der Föhn zusammenbrechen. Sonnenschein und Föhn korrelierten dieser Tage und so kommen mit dem abklingenden Föhns die Schichtwolken. Wir fuhren den Comer See hinauf bis zum nördlichen Ende der Halbinsel nach Bellagio und mit der Fähre nach Cadenabbia. Bei der Überfahrt sehen wir schon die drei markanten Spitzen von Monte Calbiga, Tremezzo und Croce/Crocione (von Süd nach Nord) Da wollten wir heute hinauf. Der Landeplatz liegt einige Höhenmeter über dem See bei Cadenabbia und ist nicht übermäßig groß, präzises Landen sollte beherrscht werden. Bei der Besichtigung herrschten noch die Föhnwinde vor. Die Vorstellung hier landen zu müssen trieb uns den Angstschweiß auf die Stirn. Wir überlegen, woher man wohl von oben weiß ob es unten ruhiger geworden war. Beim Aufstieg sahen wir die Antwort: der See zeigte die Windstärke recht deutlich an. Während man am Anfang starke Unruhe an der Oberfläche sah, präsentierte sich die Oberfläche einige Stunden später spiegelglatt.

Blick auf den Comer See
Gang durch den Tunnel
Pause dringend nötig...
Oben ist Schnee

Die Wanderung beginnt beim Landeplatz, den Weg Richtung Süden gehend und die erste Abzweigung nach links richtung Berg nehmend. Hier ist bereits ein passender Wegweiser angebracht. Die Wegweiser sind aber nicht durchgehend und der Monte Croce wird auch manchmal als Monte Croocone bezeichnet. Jedenfalls immer ein gutes Zeichen ist es, wenn es nach oben geht. Anfänglich an Gärten vorbei steigt der Weg. Man kommt an Rustikalen Wochenendhäusern vorbei die früher vermutlich mal Bergbauern gehört hatten. Nachdem wir uns schon von jeglicher Zivilisation verabschiedet hatten mündete der Wanderweg in einen 100 m langen Tunnel der in den Fels gesprengt worden war. Eine Infotafel erklärt dem erfreuten Wanderer, dass hier die Grenzen zur Schweiz im ersten Weltkrieg verteidigt wurden.

Startplatz am Monte Croce
Flug vom Monte Croce
Landeplatz  Mt. Tremezzo

Nach zirka 3 Stunden erreichten wir unseren Startplatz. Bis zum Gipfel wären es wohl noch 150 Höhenmeter gewesen aber die Stelle war so einladend dass wir nicht weiter gingen. Der anschließende Start bei Nullwind war problemlos, der Flug schön. Trotz Abschichtung gab es direkt nach dem Start thermisches Steigen. Ich konnte mich ein wenig halten, dann flog ich vor Richtung See, was ein taktischer Fehler war. Kein Steigen mehr, Landung nach 20 Minuten. Toller Tag, der Flug war jedoch eine Spur zu kurz.

Das Wetter wurde nun wieder schlecht und wir machten uns am nächsten Tag auf zur nächsten Station aber die Fluggebiete um den Comer See sind definitiv einen längeren Aufenthalt wert. Wie es weiter geht erfaht ihr im 2. Teil dieses Berichts.

Links

Cari:

Homepage des Ortes Cari auf Italienisch.

Verzeichnis der Bergbahnen im Tessin.

Die Seite von Postauto.ch zu Cari mit Link zum Bus-Fahrplan.

Fluggebiet Cari bei Paragliding 365 | DHV.

Suello:

Örtliche Flugschule in Suell0.

Comer See Schifffahrt mit Autofähren.

Fluggebiet Cornizzolo Paragliding 365 | DHV.

Das Gebiet Monte Tremezzo beim DHV (Nachbarspize) hier ist der benutzte Landeplatz beschrieben. Der Monte Croce ist beim Paragliding 365 auch beschrieben, steht dort aber an einem anderen Ort :-).

Orte

Die Karte zeigt eine Übersicht über die im Beitrag genannten Orte (für die Wander-Pfade hineinzoomen):

Direkt zur KML-Datei

Written by Florian

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