Singen und Fliegen ist eine schöne Kombination für alle Sinne. In diesem Sinne war ich ende August eine Woche in der Salzburger Gegend. In der ersten Hälfte der Woche stand fliegen bis zum abwinken auf dem Programm und in der zweiten Wochenhälfte war das Mozart-Requiem angesagt. Der internationale Chorworkshop  „Sing Mit“ brachte 150 mehr oder weniger musikalische Leute zusammen mit dem Ziel das Werk zur Aufführungsreife zu bringen. Das die Italiener kein Deutsch konnten war ein kleines Problem, hinderte uns aber nicht daran gemeinsam ein tolles Konzert aufzuführen. Der Salzburger Domkapellmeister Janos Czifra erklärte, dass es für ihn kein Problem wäre, uns alles auch auf Ungarisch zu erklären aber das würde uns mit den Italienern auch nicht weiterbringen. Fliegerisch gab es altbewährtes (Krippenstein und Bischling) sowie neue Flugberge im Brixental (Hohe Salve und die Choralpe).

Irgendwie hab ich mir in den Kopf gesetzt, irgendwann den Tandemschein zu machen. Der eine Tag Sicherheitstraining am Hallstätter See stand also unter dem Motto: Eingangstest versuchen. Leider hatte ich nur einen halben Flug von Krippenbrunn bevor der Wind nach Süd gedreht hatte und das Training abgebrochen wurde. In einem Eingangstest muss man eine Steilspirale vorfliegen, einen gehaltenen Klapper im Geradeausflug bewältigen und gleichmäßig rollen und nicken. Außerdem werden noch Start und Landung bewertet.  Die Spirale hatte er mir sofort abgekauft obwohl die Ausleitung etwas zu schnell war aber der gehaltene Klapper wollte nicht geradeaus fliegen. Mit dem kompletten linken A-Bündel gehalten wollte er sofort in die Spirale abfallen, leichtes Gegenbremsen hat schon einen Stall angekündigt. Wie ich nachher erfahren habe war das ein 70%iger Klapper gewesen. Nur die 2 äußeren Leinen gehalten gab dann einen 50%igen Klapper. Hier war das Verhalten etwas weniger aggressiv aber geradeaus wollte Mentorchen auch hier nicht fliegen.  Nach 3 Versuchen war dann die Höhe verbraucht und eine Wiederholung gab es ja leider nicht. Der Trainer meinte dann, eventuell liegt es am Schirm, dann müsste ich für den Eingangstest einen anderen Schirm leihen aber so ganz glaube ich das noch nicht.

Auf dem Zwölferhorn
Zwölferhorn Windfahne
Start am Zwölferhorn
Fliegen am Zwölferhorn

Nach einem und einem Abstecher zum Wolfgangsee und einer Schlechtwetterphase fuhr ich dem schönen Wetter entgegen nach Tirol. Im Brixental beschloss ich, dass es mir hier gefällt und baute mein Zelt am Fuße der Hohen Salve auf. Da die Schichtung stabil sein sollte und ich eh gerade am Flüge sammeln war, gab es eine Tageskarte für gut 30 Euro. Diese gilt im gesamten Gebiet für alle Bergbahnen. Nach langer Auffahrt oben angekommen stand ich mitten in den Wolken. Auf der Leeseite war die Sicht frei nach unten, auf der potentiellen Startseite gab es nur eine Wolkenwand. In einem solchen Fall gibt es nur eins: Kaiserschmarrn. Nach einer leckeren Portion davon, war der Start frei. Ich war natürlich der einzige. Kein Einheimischer würde sich unter diesen langweiligen Flugbedingungen frei nehmen zum Fliegen. Ich flog einen ersten Abgleiter zum Landeplatz.  Startrichtung Söll und glech nach dem Start nach links über den Sattel Richtung Hopfgarten zum Landeplatz. Der Weg ist relativ weit aber man hat mehr Höhe als man denkt (über 1000 m) da der Berg recht flach und kontinuierlich bis Hopfgarten abfällt. Die Landewiese befindet sich neben dem Fluss und der Bahnlinie. Meine Position war irgendwo über dem Fluss und der Bahnlinie was am Anfang etwas aufregend ist, auf den letzten Kreis verzichtete ich gerne und dehnte einfach den Queranflug aus. Wer will schon versehentlich in der Oberleitung der Bahn hängen. Üblicherweise wird nur abgeachtert berichtete man mir aber ich fühlte mich mit meiner Landevolte bestätigt als ich einen Fliegerkollegen dabei beobachtete, wie es ihn weit vom Landeplatz leeseitig abgetrieben hatte und er auf irgend einer Wiese hinter dem Parkplatz gelandet war. Wie sagt schon Hermann immer: „Den Landeplatz immer Luvseitig anfliegen“.

Seilbahn Hohe Salve
Basis auf Augenhöhe
Zum Nordwest-Startplatz
Nordwestastart
Blick von unten
Landeplatz in Hopfgarten.

Am nächsten Morgen probierte ich noch die Choralpe aus, ein einfacher Flugberg mit riesiger Landewiese. Von der Bahn (Westendeorf) geht man noch 15 Minuten bis zur Choralpe und startet bei entsprechendem Wind unterhalb der Wirtschaft, einem vernünftig steilen Startplatz.

Choralpe 1
Choralpe 2
Choralpe 3
Choralpe 4
Choralpe Startplatz
Choralpe Landeplatz
Flieger

Da die gegenüber liegende Hohe Salve inzwischen ein kleines Thermikwölkchen auf hatte, wechselte ich schnell wieder den Berg. Vielleicht war ja ein Streckenflug drin, das Brixental entlang und tatsächlich, ich konnte gut überhöhen und bis zur Wolke aufdrehen. Gerade wollte ich los fliegen,  auf Strecke, da verlor ich die Höhe wieder durch einen Klapper und es ging dann auch nicht wieder hinauf. Möglicherweise wählte ich den falschen Ausgang aus der Wolke.

Am letzten Flugtag fuhr ich wieder Richtung Salzburg zum Bischling. Wieder war wenig Thermik vorausgesagt also war ich wieder im Flüge-Sammel-Modus. Aber irgendwie geht der Bischling scheinbar immer. Ich hatte zwei meiner schönsten Flüge überhaupt. Bei schönen, thermikanzeigenden Wölkchen die sich brav aneinander reihten konnte ich trotz tiefer Basis das Tennengebirge unsicher machen, an das ich mich bisher nicht gewagt hatte. Dank eines Vorfliegers ging es immer weiter hinein in diese bizarre Hochebene aus Steinen und Geröll. Der Vorflieger landete irgendwann auf einem Spitz und chillte vor sich hin, das war mir dann aber doch noch zu heikel. Ich flog weiter zur Werfener Hütte kreiste noch ein wenig im Bart und landete am Landeplatz. Fazit – Grinsfaktor: extrem hoch.

Bischling Oststart (mal wieder)
Gleitschirm Start
Nach der Landung

So, das wars zum Thema fliegen, nun war singen dran. 3 Proben mit 150 Teilnehmern und das Requiem vin Mozart war eigentlich noch nicht wirklich Aufführungsreif. Wie immer hatte man das Gefühl, eine Probe könnte es schon noch sein. Aber was solls: Augen zu und durch. Und dann wars doch eine super Aufführung. Das „Dies Irae“ tönt kraftvoll durch den Dom, und ein zartes „Lacrimosa“ gelingt den 150 Sängerinnen und Sängern. Am Ende berauscht von phantsstischer Musik ging es wieder richtung Heimat. Landebier und Schnitzel mitgerechnet war es tatsächlich ein höchst Sinn-voller Urlaub gewesen.

Nach der Choralpe: Chorprobe
Facebooktwittergoogle_pluslinkedinmail

Written by Florian

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.