Mitte September machte ich mich auf nach Österreich. Ins Ennstal um genau zu sein. Die Flugschule „Sky Club Austria“ hatte zum Sicherheitskurs geladen. Drei Tage sollten wir uns mit den gefährlichen Unwägbarkeiten des Gleitschirmfliegens befassen. Ziel war es, diese wägbar zu machen und so das eigene Fliegen ein großes Stück sicherer zu machen. Der Erste Tag bestand aus Theorie, die zwei folgenden Tage aus praktischen Übungen.

Theoretischer Teil: Unterricht in Moosheim

Theoretischer Teil: Unterricht in Moosheim

Trockenübungen und Materialcheck

Trockenübungen und Materialcheck

In der Theoretischen Einheit wurden kritische Situationen und die korrekte Reaktion darauf besprochen. Alle Flugmanöver wurden durchgesprochen und die Ausrüstung gecheckt. Anschließend wurden die eigenen Gurtzeuge trocken eingehängt und die Übungen durchgespielt. Es sollte sich ja im Hirn festsetzen.

Am nächsten Tag traf man sich am Landeplatz neben dem Hallstätter See wo die Trainer Stefan und Stefan Funkgeräte und Schwimmwesten ausgaben. Die Funkgeräte konnten nicht verstellt werden, nur die Lautstärke reguliert werden. Auch konnte nur gehört werden, nicht gesprochen. Jedenfalls hatte es niemand gehört wenn man spricht. Einige Male während dem Flug hatte ich das Bedürfnis herunter zu brüllen aber so ist es am sichersten, dass das Gerät auch funktioniert. Es sollte kein Risiko eingegangen werden. Immerhin hatte die Flugschule sogar die Namen der Trainer vereinheitlicht. Während der Übungen wartet das Motorboot der Hallstätter Wasserrettung einsatzbereit – aber eine Wasserlandung schloss ich für mich als Option wegen der ausgesprochen niedrigen Wassertemperaturen, kategorisch aus. Trotzdem wurde die „Bordelektronik“ in Plastiktüten verpackt. Man weiß ja nie.

Ausgabe von Funkgeräten und Schwimmwesten

Ausgabe von Funkgeräten und Schwimmwesten

Nach der Theorie kommt die Praxis

Nachdem jeder versorgt war, fuhren wir mit der Seilbahn hinauf zum Krippenstein, übrigens ein phantastisches Fluggebiet, auch wenn man nicht gerade ein Sicherheitstraining macht. Der Wind hatte einen deutlichen Südwesteinschlag und wenn der dominant würde könnten wir am Krippenstein nicht mehr Starten. Die Frage „ob es noch geht“ zogt sich durch die ganzen zwei Tage. Beim letzten Start wurde sie mit „nein“ beantwortet, beim vorletzten Start musste ich schon schräg über den Startplatz rennen. Interessanterweise kam der Wind da von Osten. Der Berg wurde bereits umspült, ein Zeichen, dass es nicht mehr lange geht.

Blick vom Krippenstein auf den Dachstein

Blick vom Krippenstein auf den Dachstein

Aber wie gesagt, die ersten drei von vier Flügen konnten von hier begonnen werden. Der erste Flug war Standardprogramm. Nach dem Start musste man 5-10 Minuten zum See vorfliegen, die Übungen wurden erst über Wasser begonnen. Angefangen mit Rollen und Nicken über seitliche Klapper beschleunigt und unbeschleunigt, Frontstall und Ohren anlegen bis hin zu Big-Ears.

Die Big Ears funktionierten nicht wirklich weil ich mit meinem Schirm (Gradient Bright 4) sowieso an meine Grenzen stoße, was das Ohren anlegen betrifft. Die Spannung auf den Leinen ist sehr stark, ein nachgreifen ausgeschlossen. Ich versuchte die Big Ears mit zwei von drei A-Leinen zu fliegen. Man muss extrem weit oben angreifen um sie überhaupt weit genug herunter ziehen zu können. Bei einem späteren Flug hatte das besser geklappt.

Bei den seitlichen Einklappern hatte ich früher mal gelernt, man müsse die Flugbahn halten. Dies hat aber den Effekt, dass der Schirm ins schaukeln kommt und man erstmal damit beschäftigt ist, das zu Stabilisieren. Hier hatte man uns gesagt, wir sollen den Schirm die Kurve fliegen lassen wenn kein Hindernis im Weg ist, wie beispielsweise eine Bergkante, dadurch bleibt der Schirm stabil und fliegt in der neuen Richtung sofort stabil weiter. Wenn der Klapper nicht aufgeht kann man immer noch die Richtung korrigieren. Nachdem ich dies berücksichtigt hatte, waren die Übungen viel souveräner.

Rückwärtsstart

Rückwärtsstart

Über dem Hallstätter See

Über dem Hallstätter See

Steilspirale und Fullstall

Beim zweiten Flug konnten bereits Wünsche geäußert werden. Während einige bereits Acro-Figuren trainieren wollten wünschte ich mir Steilspirale und B-Stall.. Die Steilspirale ist die effizienteste Schnellabstiegstechnik, allerdings auch die mit der größten körperlichen Belastung. Um die 3 G (das Dreifache des eigenen Körpergewichtes) wirken auf den Piloten während er in einer Kreisbahn um seinen Schirm fliegt. Als ich in der Spirale schon stolz sein wollte kam vom unteren Stefan über Funk: „sieht gut aus aber da geht noch wesentlich mehr“. Ich hatte am nächsten Tag trotzdem Kreuzweh. Bei der Durchführung ist die korrekte Ausleitung der Steilpirale wichtig da der Pilot durch die Kreisbahn sehr viel Bewegungsenergie speichert. Wird die Spirale plötzlich beendet, beispielsweise weil der Pilot überfordert ist, wandelt sich die Bewegungsenergie in Lageenergie um (Energieerhaltung) der Pilot steigt schlagartig, der Schirm gerät weit hinter ihn. Die Spirale wird also langsam ausgeleitet.

Schirm schießt beim Fullstall in alle Richtungen

Schirm schießt beim Fullstall in alle Richtungen

Am nächsten Tag hatte ich Kopfweh und mir war übel, außederm waren da noch die Kreuzschmerzen von der Steilspirale. Krank? Blöd! Ich definierte die Krankheit weg und machte mich auf zur Seilbahn. Der Südwesteinfluss war dominanter geworden aber es war noch akzeptabel. Ich wurde nach meinen Trainingswünschen gefragt. Steilspirale fiel aus kreuzschmerztechnischen Gründen aus. Ich wünschte mir den Fullstall. Beim Fullstall dreht man den Schirm komplett aus der strömenden Luft bis diese abreißt und das Gerät flugunfähig ist. Die Übung gehört nicht zum Standardprogramm aber ich wollte sie machen um mein Fluggerät besser kennen zu lernen. Während die erste Durchführung recht gut geklappt hatte war das Ausleiten bei der zweiten Durchführung recht ruppig und mir wäre fast die Brille herunter gefallen, während der teilgefüllte Schirm in alle Richtungen schoss. Als Stefan über Funk gesagt hatte ich könne das noch ein drittes Mal machen hab ich erstmal die weiße Flagge gehisst (Ohren kurz anlegen). Das was da passiert war wollte ich dann doch erstmal in Ruhe durchdenken. Als ich später Youtube-Videos mit Fullstall angeschaut hatte wurde mir klar, was das für eine Übung ist. Ich weiß nicht ob ich sie gemacht hätte, wenn ich die Videos vorher geschaut hätte. Nach der Landung merke ich, dass ich immer noch krank bin. Sie lässt sich nicht weg definieren – nur mit Adrenalin zeitweise übertönen. Das Video zum Fullstall findest Du unten in der Linkliste.

Unterwegs mit dem Pinzgauer

Unterwegs mit dem Pinzgauer

Beim letzten Flug war der Wind so, dass man oben nicht mehr starten konnte. Wir fuhren mit einer Seilbahn von 1961 vom Krippenstein nach unten in ein Tal, wo Stefan bereits den dort abgestellten Pinzgauer angeschmissen hatte, das Bundesheer lässt grüßen. Damit ging es zum unteren, windgeschützten Startplatz der aber auch wesentlich weniger Höhe zum Üben hatte. Gut dass der Wind erst am letzten Flug gedreht hatte. Die Fahrt mit dem Pinzgauer war aber ein Erlebnis. Bei der letzten Übung verzichte ich wegen meinem Unwohlsein auf fast alles was Spaß macht. Während des Flugs schlug der untere Stefan vor, ich könnte noch ein paar flache Wingovers machen. Was der so als flach bezeichnet – aber cool war‘s. Kaum unten verabschiedte ich mich und legte mich für den restlichen Tag ins Bett. Die nächsten zwei Tage war ich nicht ansprechbar.

Bilder

Stöbere auch in dem zugehörigen Fotoalbum auf Flickr

Links

Mein Video Fullstall auf YouTube (Helmkamera)

Fluggebiet Krippenstein auf Paragliding 365 | DHV

Durchführende Flugschule „Sky Club Austria

Beispiel Youtube Viedeos Fullstall: Video 1 | Video 2

Beispiel Youtube Video Steilspirale

Beispiel Youtube Video Abstiegshilfen des DHV (u.a. Steilspirale)

Beispiel Youtube Videos Acrofliegen Video 1 | Video 2

Orte

Die Karte zeigt eine Übersicht über die im Beitrag genannten Orte:

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Written by Florian

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