Es ist Ende Augst 2015: Eine Woche fliegen im italienischen Meduno mit Johannes in einer Gruppe der Flugschule Hermann Brodbeck verspricht viel Spaß, Geselligkeit und gutes Essen bei Patrizia. Meduno gehört zu Friaul Julisch Venetien und liegt am Übergang von den Alpen in die Poebene. Vom Startberg, dem Monte Valinis kann man an schönen Tagen bis zur Adria sehen, der Berg ist die letzte Erhebung vor dem Flachland. Dadurch strömt der Wind sehr zuverlässig und laminar an, was das Gebiet recht einfach zu fliegen macht.

Unterkunft und Landwirtschaft

Unterkunft und Landwirtschaft

Kleine Katzen sorgen für Abwechslung.

Sorgen für Abwechslung…

Ein Manko des Fluggebietes sind die zahlreichen Flugverbotszonen die durch das Militär begründet sind. Dadurch ist das Streckenfliegen erschwert oder gar unmöglich gemacht. Es gibt zwar von Skyfool.de dankenswerterweise die Lufträume für Google Earth aber ich konnte diese Angaben nicht mit dem Aushang in Topo am Landeplatz verifizieren, die aber auch nicht mehr die neuesten zu sein scheinen. Viele Zonen sind auch nicht immer aktiv, eine zuverlässige Quelle mit der Information, wann welche inaktiv sind habe ich bisher aber noch nicht gefunden. Vielleicht weiß hier jemand mehr, ich freue mich über Aufklärung.

Kulinarische Höhepunkte

Nach 8 Stunden Fahrt freuten wir uns um 14 Uhr jedenfalls darauf, ein bisschen Frischluft zu schnuppern. Man ahnt gar nicht wie viele Leute in so einen Transporter passen wenn alle nach oben wollen. Ein 20 Minutiger Aufwärmung folgte, anschließen ging es zurück zur Unterkunft wo Patrizia bereits mit dem Abendessen wartete. Es gab am ersten Abend Spagetti mit Tomatensoße vorweg und anschließend Gulasch mit Rosmarinkartoffeln. Lecker. Die dreigängigen Abendessen sind immer der kulinarische Höhepunkt des Tages.

Geselliges ausklingen des Tages

Geselliges ausklingen des Tages

Das Abendessen ist spitze.

Das Abendessen ist spitze.

In diesem Agriturismo-Betrieb werden die Lebensmittel selbst angebaut oder zumindest Regional bezogen und das schmeckt man. Leute die bereits zum wiederholten Mal da waren konnten eine Regelmäßigkeit in der Wiederholung der Menüfolge feststellen aber es ist ja durchaus positiv, wenn man schon weiß worauf man sich freuen kann. Normalerweise reserviert sich die Flugschule die komplette Unterkunft, es war also eine geschlossene Gesellschaft. Mal ist jemand dazu gekommen, mal jemand abgereist, das wurde von der Flugschule sehr flexibel gehandhabt und auch preislich war die Woche ein sehr faires Kompletangebot.

Am nächsten Morgen gab es natürlich Frühstück. Wie zu erwarten war, war es lecker aber wie ebenfalls zu erwarten war, fehlte die langanhaltende Energie für den Tag. Ich hatte das Weißbrot und den Kuchen aber trotzdem nicht verschmäht. Um 10:00 Uhr war täglich die Abfahrt zum Landeplatz und Weiterfahrt zum Startplatz. An diesem Tag gab es keine Thermik und man konnte sich vor allem im dynamischen Aufwind halten. Beim ersten Flug war ich abgesoffen, beim zweiten Flug und einem Start bei starkem Wind sah ich zum ersten Mal den Gipfel von oben, beim dritten Flug konnte man sich auf Startplatzhöhe halten. Nach einer Stunde hin und her fliegen an der gleichen Stelle wurde das aber langweilig. War da nicht noch was mit Abendessen? Trotzdem: Der Tag war ein dynamischer Erfolg.

Schlechtes Wetter gibt es nicht …

Am nächsten Tag war schlechtes Wetter angesagt und – der Wetterbericht stimmte. Johannes und ich beschlossen mit dem Bus nach Udine zu fahren. Das war eine gewisse Herausforderung, denn der Bus fährt in Solimbergo nur drei Mal am Tag. Wir wollten natürlich pünktlich zum Abendessen wieder da zu sein und jedenfalls erst nach dem Frühstück los zu fahren. Das waren dann 4 Stunden in Udine. Der Lonly Planet schreibt zu Udine: “a dramatic melange of Venetian arches Grecian statues and Roman columns. The old town is pristine, but lively. Bars here are not just for posing” und wirklich, die Stadt hat was. Selbst bei diesem Schmuddelwetter machte es Spaß durch die Gassen zu spazieren. Aber wir waren zum Fliegen da!

Udine: Piazza della Liberta

Udine: Piazza della Liberta

Auch am nächsten Tag war schlechtes Wetter. Während sich die meisten nach Venedig aufmachten blieb ich mit vier anderen in der Unterkunft. Gegen Nachmittag hieß es „Berg ist Wolkenfrei – wir fahren hoch“. Der Berg war frei aber die Regenwolke hing immerhin über dem Nachbargipfel. Eine spannende Wettersituation, die ich alleine nicht hätte einschätzen können aber nach intensiver Beratschlagung mit dem Fluglehrer „Des geht scho“ starteten wir alle. Im dynamischen Wind konnte man sich halten, aber man musste die Wolken im Auge behalten.

Nachdem ich den Startplatz überhöht hatte machte ich meinen ersten Versuch einer Toplandung. Ich sage nur: Verbesserungswürdig. Hermann gab mir dann den Tipp, die Bremsleinen nicht so schnell und nicht so weit durchzuziehen wenn der Boden schnell näher kommt, dann hätte man auch eine Bremswirkung und nicht gleich einen Stall. Er hatte Recht. Das hatte ich reflexartig immer falsch gemacht und war wohl für einige harte Landungen verantwortlich. Inzwischen achte ich darauf und es ist tatsächlich besser.

Die Regenwolke

Die Regenwolke

In den Wolken

In den Wolken

Unten angekommen hatte sich das Wetter wieder verschlechtert. Die Sicht war mal da und mal wieder weg. Wir fuhren nach einer Pause im Eiscafé wieder hinauf. Als die Wolken wieder aufrißen starteten Johannes und ich zu einem Abgleiter. Er endete irgendwie ungeplant auf halbem Weg zum Landeplatz am Rande eines Maisfeldes weil es einfach nur abwärts ging. Gut wenn man eine Notlandemöglichkeit hat. Wie ich später erfahren habe hätte ich einfach weiter vom Hang weg fliegen müssen um nicht im Lee des Ostwindes zu fliegen das mich nach unten gespült hatte. Interessant, wie sich die Verhältnisse ändern wenn die klassischen Windsysteme ausbleiben mit denen man irgendwie standardmäßig rechnet.

Außenlandung am Maisfeld

Außenlandung am Maisfeld

Anstoßen: Zwei begossene Pudel begießen dne Tag

Zwei begossene Pudel begießen dne Tag

Bei einem anderen Flug hatte ich rechts vom Startplatz einen unangenehmen Frontklapper weil ich ins Lee des Ostwindes geflogen war. Wer rechnet denn mit Leegebieten in so einem „einfachen“ Fluggebiet wie Meduno? Gut, dass immer ein Fluglehrer in der Nähe war, der einem das alles Erklären konnte. Mann war das wieder alles Lehrreich. Solange die Sonne noch nicht in das Gebiet scheint ist dort ein Lee, man sollte es nur mit genügend Höhe überfliegen, später kommt die Thermik von unten herauf und es ist unproblematisch. In dem gleichen Gebiet hatten in der Woche noch mehr Piloten ihre Probleme. Eine Pilotin musste dort Notlanden und ein anderer Pilot hatte dort sogar einen Sturz den er aber unversehrt überstanden hatte.

Von Kühen und einem Hammerflug

Startplaz Monte Valinis

Startplaz Monte Valinis

Kühe am Startplatz

Kühe am Startplatz

Und tags darauf gab es doch noch schönes Wetter. Auch die Kühe, die auf den Wiesen um den Startplatz weiden freuten sich darüber. Ansonsten interessieren sich die Kühe ja nur dafür, dass vorne was hinein kommt und hinten heraus kommt. Wenn da ein Gleitschirm im Weg ist kann schon Mal ein Stück fehlen. Der arme Pilot dem das passiert war. Nach dem Auslegen war er nur kurz für kleine Jungs und schon war es passiert. Eine Kuh hatte ihm ein Stück vom Segel herausgefressen. „Not amused“ kann man da nur sagen. Entsprechend interessierten sich die Gleitschirmflieger auch sehr für die Kuhherde. Nach diesem Ereignis hatten alle ihren Startvorbereitungsprozess umgeschrieben und das Pinkeln vor das Auslegen gesetzt.

Abschiedsflug vom Gipfel

Abschiedsflug vom Gipfel

Auch ich hatte den neuen Ablauf bereits verinnerlicht als ich mich startklar machte. Es trug wirklich gut, aber für mich nicht am Gipfel selbst sondern auf der anderen Seite an einem Zweitgipfel. Toll, wie ich mich hocharbeiten konnte. Mit genügend Höhe flog ich zum Monte Valinis zurück aber der wollte mich nicht. Ich konnte ihn zwar überhöhen aber nicht viel – also zurück zum anderen Gipfel. Ich erreichte ihn recht wet unten und, schon richtung Landeplatz geäugt, drehte mich wieder ganz nach oben. Nach einem Zweistundenflug landete ich am UL-Landeplatz in Solimbergo. Von hier war es nur ein kurzer Fußmarsch zur Unterkunft. Der Tag war ein voller Erfolg.

Am Tag der Abfahrt wurde morgens noch geflogen. Ich entschied mich für ein kleines Hike and Fly und wanderte auf den Gipfel des Monte Valinis und startete von da. Ein reiner Abgleiter. Trotz dem durchmischen Wetter und den vielen Abgleitern eine sehr schöne und vor allem lehrreiche Woche. Danke Hermann.

Bilder

Stöbere auch in dem zugehörigen Album bei Flickr

Links

Monte Vallinis Fluggebiet bei Paragliding 365 | DHV

Unterkunft bei Patrizia

Lufträume für Paraglider bei skyfool.de

Orgaisator der Tour: Flugschule Brodbeck

Orte

Die wichtigsten Orte aus dem Bericht:

fliegen in Meduno: die wichtigsten Örtlichkeiten aus dem Bericht

 

Written by Florian

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