Schon zum zweiten Mal dieses Jahr ging es im Juni 2015 ein paar Tage ins französische St. Hilaire zum Fliegen. Das war eigentlich nicht so geplant aber auch schön. Mit einem Mietwagen fuhr ich direkt nach Feierabend herunter nach Allevard, wo sich mein Campingplatz befand. Die Betreiberin des Zeltplatzes Clair Martin war freundlich und unkompliziert, ich durfte auch lange nach der Öffnungszeit kommen und sollte einfach mein Zelt aufbauen. Gegen Mitternacht kam ich an und fand einen nahezu unbeleuchteten Campingplatz vor. Gut, dass ich ein Zelt hatte, dass man sprichwörtlich im Dunkeln aufbauen kann.

Wieder da: St. Hilaire

Wieder da: St. Hilaire

Nordstartplatz St. Hilaire

Nordstartplatz St. Hilaire

St. Hilaire ist ein kleiner Ort auf einer Terrasse des Chartreuse-Massivs, oberhalb des Isère-Tals und ungefähr 30 km von Allevard und 15 km von Grenoble entfernt. Der Fliegerszene ist der Ort vor allem durch den Coupe Icare bekannt, einem Verkleidungsfliegen das jährlich im Herbst stattfindet. Unter anderem lernte der 2CV dort das fliegen. Aber das Fluggebiet ist auch ein Event für sich. Die Chartreuse-Felsen fallen von St. Hilaire 300 m senkrecht ab bevor sie in eine bewaldete Schräge übergehen und man nach 600 Höhenmetern den Landeplatz in Lumbin erreicht, der dank seiner aufgemalten Zielkreise nicht zu übersehen ist.

Die Funiculaire

Wer denkt schon an Landen, jetzt wird erstmal geflogen dachte ich und haute mich raus. 15 Minuten später stand ich unten in Lumbin am Landeplatz. Irgendwie war das nichts. Es war wahnsinnig heiß hier unten und man konnte sich nirgends unterstellen. Ich packte in der sengenden Sonne zusammen und lief zur Funiculaire, einer alten Standseilbahn die Touristen und Paraglider nach oben, nach St. Hilaire bringt. Die Bahn ist eine Attraktion für sich. Vor ihrem Bau war St. Hilaire nur zu Fuß erreichbar. Zahlreiche Sanatorien die sich in St. Hilaire angesiedelt hatten wollten aber eine einfachere Anreisemöglichkeit für ihre Patienten und so wurde im Jahre 1917 beschlossen die Bahn zu bauen. Seit 1924 gibt es den einfacheren Weg nach St. Hilaire und inzwischen  drei Straßen – die Sanatorien sind hingegen geschlossen. Mein Auto stand somit am Startplatz, nicht unten am Landeplatz, vielleicht könnte man ja Toplanden und eine Fahrt mit der Bahn sparen.

Fahrt mit der Funiculaire

Fahrt mit der Funiculaire

Fast oben; unten sieht man die Talstation

Fast oben; unten sieht man die Talstation

Ich wartete vor dem Ticketfenster, eine Frau saß hinten am Schreibtisch. Ein Zettel klebte am Fenster – auf französisch – ich kann kein Französisch. Nach 2 Minuten konnte ich nicht anders als jemanden zu fragen. Auf dem Zettel stand, dass man um die Ecke nach draußen gehen solle um die Fahrkarte zu kaufen. Ah, das war das Fenster neben dem die Frau saß; hätte ja auch was sagen können. Sie ist aber eine ganz liebe wie ich merkte als ich ihr in einer langen Diskussion klarmachen wollte, dass ich eine 5er Karte haben möchte. Die hat mit gut 25 Euro das beste Preis-Leistungs-Verhältnis, eine Einzelfahrt kostet etwas mehr als 10 Euro. Eine 10er Karte gibt es auch, die ist aber nur unwesentlich günstiger als die 5er Karte. Nachdem ich also nun endlich mit einer 5er Karte – und nicht wie mir die Frau ursprünglich verkaufen wollte mit fünf 1er Karten – bewaffnet war ging’s auch schon los. Alle waren schon eingestiegen, man wartete noch auf mich. Gut. Nochmal  eine halbe Stunde warten in der Hitze hätte ich nicht ausgehalten.

Ich flog noch ein zweites Mal. Bei ruppiger Thermik konnte ich mich kämpfend unterhalb der Kante halten aber ein Glücksgefühl stellte sich noch nicht ein. Ich wollte diese Woche gerne bis zum Fort du St. Eynard fliegen. Das ist Richtung Süden kurz vor Grenoble und ungefähr 12 km entfernt. Ein paar Talsprünge sind dabei aber im Großen und Ganzen nicht so schwierig wenn es denn mal einigermaßen trägt. Man fliegt eigentlich fast nur die Kante entlang. Ein weiteres Projekt, etwas Utopischer, wäre zum Dent Du Crolles zu fliegen. Der ist nochmal 1200 m höher und nur an bestimmten Tagen gibt es einen luftigen Weg nach hinten oben. Ist man mal oben, hat man die Luft fast für sich alleine und kann an der oberen Kante 20 km Richtung Norden entlang fliegen.

Auf den Dent

Kann man nicht hoch fliegen bietet sich eine Hike and Fly Tour zum Dent an. Aufbruch am Campingplatz war um 6 Uhr, das Auto stellte ich in St Hilaire ab und nahm um 7 Uhr den Bus ins Nachbardorf (50 ct ohne Rabatt) dann begann ich, die Passstraße hochzulaufen. Das Glück ist ein Rindviech: schon kurz nach dem Losgehen kam ein ächzender Kleinwagen um diese Kurve, drinnen ein älteres Ehepaar mit Hund. Daumen raus! Kleinwagen hielt. Irgendwie hatten sie mich noch in das bereits vollen Auto gestopft und weiter ging die Fahrt. Damit waren nur noch 700m Höhendifferenz zurück zu legen und nicht mehr 1200m. Der Tag fängt gut an um 7:30.

Wanderung auf den Dent

Wanderung auf den Dent

Geschafft: Am Gipfel angekommen.

Geschafft: Am Gipfel angekommen.

Das Schöne an der Wanderung ist, dass sie morgens zu 80% im Schatten verläuft nur am Schluss, auf dem Plateau muss man in der Sonne gehen. Irgendwann teilt sich der Weg. Man kann einen schnelleren, vermutlich steileren, oder einen längeren, vermutlich einfacheren Weg gehen. Mit meinem Gepäck entscheide ich mich für den längeren Weg. Unterwegs kommt man an einer tiefen Höhle vorbei in der das Wasser rauscht. Wenn es doch schon zu heiß sein sollte kann man sich hier abkühlen. Plötzlich stand ich vor einer Felsspalte, ungefähr Rucksack-breit. Ich passte gerade so durch und fragte mich schon, ob noch mehr solche Felsspalten kommen würden und ob die vielleicht dann enger wären. Die Frage wurde sofort mit Ja beantwortet. Beide Teile der Frage! Ich musste meinen Rucksack abnehmen und vor mir her schieben aber es klappte. Mehr Felsspalten kamen nicht mehr und nach einigen kurzen Klettereinlagen die mit Seil abgesichert sind, erreichte ich das Plateau und überquerte dieses.

Flugsicht: Dent Du Crolles

Flugsicht: Dent Du Crolles

Flugsicht: Blick auf die Terassen, unten das alte Sanatorium

Flugsicht: Blick auf die Terassen, unten das alte Sanatorium

Geschafft! Ich war am Gipfel. Ich hatte dann den Fehler gemacht, die anwesenden Leute zu fragen, wo denn hier die Gleitschirmflieger starten. Die htten dann in ihrer Hilfsbereitschaft gar nicht mehr aufgehört zu überlegen, obwohl sie Eis eigentlich nicht wussten. Später kam noch ein zweiter Flieger, der wusste es. Nach einer tollen Wanderung – nun der Abflug. Es war ein schöner Start und Flug während unten am normalen Startplatz noch viel zu früh war. Aber auch ich war durch taktische Anfängerfehler nach 40 Minuten wieder unten (also in der Mitte). Ich wollte eigentlich den Grat entlang fliegen aber nach einem Kilometer hatte sich mir eine Wolke in den Weg gestellt. Als ich wieder zum Dent zurück kam hatte ich bereits zu viel an Höhe verloren. Macht nix. Nächstes Mal wird’s nochmal probiert.

Ein Bier in Allevard

Ein Bier in Allevard

Mittags ging es dann nochmal vom normalen Startplatz. Eine Stunde war ich am Kämpfen unterhalb der Kante aber relativ plötzlich trug es. Ich kam hoch. Richtig hoch. Ich wunderte mich. Ich sah die Überentwicklung. Man, das wäre das der Tag für einen Flug zum Fort du Saint-Eynard bei Grenoble gewesen aber ich war vernünftig und hatte den Landeplatz angesteuert. Den Tag ausklingen lassen bei einem holländischen Bier kann man in Allevard. Auf dem Marktplatz herrschte ein Flair wie man sich das in einer französischen Kleinstadt vorstellt. Hier hätte es auch einen schönen Abendflugberg gegeben, den Collet d’Allevard,  aber leider war abends immer Gewitter.

Nach vier schönen aber heißen Tagen packe ich meine Sachen zusammen und fahre wieder zurück.

Schön war‘s. Bis zum nächsten Mal.

Bilder

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Links

Orte

Die Karte zeigt eine Übersicht über die im Beitrag genannten Orte:

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Written by Florian

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