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Um 14:00 lief die Eastern Dream mit uns aus und wir ließen Russland endgültig hinter uns. Es gab eine kleine Diskussion bei der Ausreise weil bereits ein Einreise- und ein Ausreisestempel im Pass waren, folglich konnte ich nicht im Land sein – der zweite Einreisestempel war ja beim Visum für Weißrussland angebracht. Bis Helmut, mein russisch sprechender Mitreisender verfügbar war hatte ich den begehrten Stempel aber bereits. Alles halb so wild im fernen Osten.

Vor dem Ablegen in Wladiwostok
Die Eastern Dream cruist gen Süden
Royal Suite auf der Eastern Dream
Auslaufen in Donghae

Auf dem Schiff waren wir in der Royal Suite untergebracht. Gebucht hatten wir was Kleineres aber das war wohl ausgebucht. Jedenfalls hatten wir ein Panoramafenster und wurden fünf Minuten vor allen anderen durch die Küche zum Buffet geleitet. Daran könnte man sich gewöhnen aber für die zweite Nacht mussten wir dann in unsere gebuchte Kategorie umziehen und mit allen anderen zum Essen gehen. Am nächsten Tag landeten wir in Südkorea an. Acht Stunden Landgang bevor es weiter nach Japan ging. Der Fahrgastwechsel den wir nun beobachteten hatte ein System das wir aber erst später erkannten. Als erstes durften die Gäste aussteigen, also Russen und der Rest der Welt. Als zweites die Südkoreaner. Als letzte Gruppe durften die Japaner aussteigen. In Japan durften dann die Koreaner als letztes aussteigen. Irgendwie scheinen die sich nicht so sehr zu mögen.

In Donghae gab es nicht viel außer einem schönen Strand. Wir sorgten uns erstmal um das wichtigste im Urlaub – etwas Gutes zu essen. In einem Restaurant das unauffällig war aber Fische im Schaufenster schwimmen hatte kehrten wir ein. Es war die erste Bekanntschaft mit einer Essenskultur wie man sie sich immer vorstellt. Beim Eingang zogen wir die Schuhe aus und setzten uns im Schneidersitz an den niedrigen Tisch. Die Wahl des richtigen Gerichts stellte uns dann aber vor gewisse Herausforderungen. Die Speisekarte war jedenfalls völlig unleserlich. Mit Helmuts „Sachen-Bilderbuch“ konnten wir uns aber wir uns ein Bild machen. Helmut zeigte auf ein Gericht und auf ein Bild im Bilderbuch und die Kellnerin schüttelte den Kopf oder nickte heftig. Beim Bestellen hörte ich das Wort „Sushi“ und nickte heftig. Was mir dann gebracht wurde waren die besten Sushi die ich jemals gegessen hatte. Kulinarisch war Süd-Korea jedenfalls ein Erfolg. Es würde auch das einzige Mal sein dass wir im Schneidersitz sitzend essen. In Japan gab es merkwürdigerweise es immer Stühle.

Korianisch-Deutsche Verständigung
Mittagessen in Donghae
Restaurant in Donghae
Weltklasse Sushi

Der Lokführer mit den weißen Handschuhen

In Japan angekommen und die Einreiseprozedur hinter uns gebracht, fuhren wir mit dem Shuttlebus zum Bahnhof von Sakaiminato. Die Schalterhalle glich einem Comicladen. Die Wand war voll von Comiczeichnungen und jede Figur war das Maskottchen für einen Triebwagen dieser Bahnlinie. Der entsprechende Triebwagen war dann übersäht mit dieser Figur mit den für Japan-Comics so charakteristischen großen Augen. Der Lokführer in seiner Fahrerkabine hatte weiße Handschuhe an. Ganz anders als sein Zug wirkte er überhaupt nicht verspielt. Bei der Abfahrt führte er eine für unsere Augen sonderbare Prozedur durch: zuerst zeigte er mit seinem im weißen Handschuh steckenden Zeigefinger überdeutlich auf den Buchfahrplan, den er vor sich liegen hatte, dann auf das Signal an der Strecke vor ihm und erst dann setzte er den Zug in Bewegung. Dies wiederholte sich bei jeder Abfahrt.

Sakaiminato Bahnhof
Japanischer Lokführer
Im Zug
Einfahrt des Nekomusume Zugs

Gemütlich zuckelten wir durch die japanische Landschaft bis Okayama wo wir den Shinkansen nach Hiroshima bestiegen. Mit unserem Japan Rail Pass durften wir die ganz schnellen Shinkansen zwar nicht benutzen aber auch dieser weniger schnelle war noch recht flott unterwegs. Während wir zuerst, einmal quer über die Insel durch eher ländlichere Gegend kamen fuhr der Zug nun unweit der Küste durch einen der am dichtest bebauten Teile Japans. Es gab kein unbebautes Fleckchen bis Hiroshima, das wir am Nachmittag erreichten. Unterwegs kam noch der Mann mit dem Müllsack durch den Zug. Beim Betreten des Großraumwagens hielt er an der Abteiltüre inne, verbeugte sich Richtung Fahrgäste und ging seiner Arbeit nach. Am anderen Ende des Wagens drehte er sich nochmals um, verbeugte sich wieder Richtung Fahrgäste und verließ den Wagen. Gleiches passiert übrigens am Fahrkartenschalter nach dem Kauf von Fahrkarten.

Hiroshima empfing uns mit Regen. Warum mussten wir auch in der Regenzeit nach Japan fahren? Ich hatte mir dann im Hotel den durchsichtigen japanischen Standard-Regenschirm gekauft. Wir waren uns sofort sympathisch auch wenn er so seine Eigenheiten hatte. Zum Beispiel neigt er dazu sich zu verändern – heimlich und unerwartet. In Japan ist es üblich seinen Regenschirm im Schirmständer am Eingang abzustellen, zusammen mit vielen anderen Einheitsmodellen. Schon am ersten Abend war der Schirm kaputt. Ich konnte es mir nicht erklären, der schöne neue Schirm. Doch oh Wunder, nach dem nächsten Restaurantbesuch war er wieder ganz. Irgendwann habe ich gemerkt, dass die aktuelle Schirmversion keine Automatik mehr hatte, wann auch immer dieser unbemerkte Tausch passiert ist

Warten auf die Bahn zum Hafen
Schaffner in der Straßenbahn
Straßenbahnbekanntschaft
Straßenbahn in Hiroshima

Friedenspark in Hiroshima

Wer an Hiroshima denkt dem kommt unweigerlich der Atombombenabwurf in den Sinn. Am 6. August 1945 um 8:13 Uhr detonierte 580 m über der Stadt „Little Boy“. Durch das Kenotaph im Friedenspark sieht man den Atombombendom, das einzige Gebäude im weiten Umkreis, das nicht dem Erdboden gleich gemacht war. Der Grund war, dass die Bombe genau senkrecht über dem Gebäude detonierte. Im Friedensmuseum wird veranschaulicht, was man eigentlich nicht veranschaulichen kann. Modelle der Stadt, vor und nach der Detonation, Bilder und Briefe sind ausgestellt, Videos werden gezeigt.

Das Kenotaph mit dem Atombombendom im Hintergrund
Atombombendom in Hiroshima
Sadako darf nicht sterben

Am bewegenden war für mich aber das Kinderdenkmal außerhalb des Museums. Wir standen vor der Bronzestatue eines kleinen Mädchens die einen gefalteten Kranich in der Hand hielt. Um die Statue herum waren eindrucksvoll Vitrinen mit tausenden gefalteten bunten Papierkranichen die Kinder aus Japan und der ganzen Welt gefaltet hatten, im Gedenken an Sadako. Sadako war zwei Jahre alt als die Bombe über Hiroshima herein brach. Als sie zwölf war erkrankte sie plötzlich an Leukämie. In Japan sagt man sich, dass das Falten von Papierkranichen heilende Kräfte hätte. Faltet man tausend Kraniche würde man von seiner Krankheit geheilt werden. Sadako begann damit, Kraniche zu falten. Sie wollte leben. Man sagt, Sadako starb, kurz bevor sie den tausendsten Kranich falten konnte. Als Zeichen der Anteilnahme hatten ihre Freunde die restlichen Kraniche gefaltet. Bis heute erreichen die Stadt Hiroshima Papierkraniche von Kindern aus aller Welt in Gedenken an Sadako – die leben wollte.

Abendessen in Hiroshima

Nach diesen intensiven Eindrücken war es langsam Zeit für etwas Magenfreundliches. Eigentlich waren wir bereits den ganzen Tag auf der Suche nach einem Okonomiyaki-Restaurant. Die Pfannenkuchen mit viel drauf waren uns vom Reiseführer wärmstens ans Herz gelegt worden, in Hiroshima sind sie eine Spezialität. Die empfohlenen Restaurants waren aber irgendwie nicht auffindbar.

Nachdem wir mittags bereits richtig gegessen hatten wollten wir abends nur noch schnell eine Kleinigkeit essen. An die Okonomyaki dachten wir schon gar nicht mehr als wir die unauffällige Kneipe neben unserem Hotel betraten. Mit grade mal drei Tischen und 5 Gerichten zur Auswahl, die alle recht ähnlich waren, war sie durchaus übersichtlich. Die 5 Gerichte waren Okonomiyaki nach Hiroshima Art. Die Kneipe war total urig, der Wirt lustig und die Okonomiyaki eine Wucht. Die beiden vom Nachbartisch hatten uns bereits erzählt, dass sie auch mal in Deutschland gearbeitet hatten als die Studentengruppe vom großen Tisch auf uns aufmerksam wurde.

Zuerst kam eine der beiden durchaus gut aussehenden Frauen und wollte sich mit uns fotografieren lassen. Dann hatte sie uns gesagt, dass eigentlich die andere ein Foto mit uns wollte sich aber nicht getraut habe. Natürlich durfte auch die andere ein Foto mit uns bekommen. Es verging nicht mehr viel Zeit, dann saßen wir bei der Gruppe am Tisch und die 2 Liter Sake-Flasche kreiste munter. Als die leer war zogen wir alle zusammen durch die Kneipen Hiroshimas. Um halb zwei war dann das „schnell mal was zu Abend essen“ beendet. Wir durften trotz Protest noch nicht einmal unsere Okonomiyaki selbst bezahlen.

In freudiger Erwartung auf das Abendessen
Annäherung vom Nachbartisch
Was Süßes zum Nachtisch gefällig?
Der Wirt beim zubereiten der Okonomiyaki
Die große Sakeflasche kommt zum Einsatz
Flasche leer, Stimmung gut.

Was bei einem Hiroshima-Aufenthalt auch nicht fehlen darf ist ein Besuch des Itsukushima Schreins dessen Torii eines der bekanntesten Fotomotive ist, einem der Wahrzeichen Japans. Der Schrein liegt auf der Insel Miyajima vor den Toren Hiroshimas und ist vom dortigen Hafen mit Booten zu erreichen. Miyajima bedeutet wörtlich übersetzt „Schrein Insel“ und gillt schon lange als heiliger Ort. Wir setzen also auf die Insel über und begeben uns zum Schrein, begleitet von den dort herumlaufenden Wildtieren die garnicht sehr wild wirken, ja, im Gegenteil, den Touristen frech das Essen klauten.

Mit den japanischen Schreinen ist das für mich vermutlich ähnlich wie für die Japaner eine deutsche Kirche – Unterschiede auszumachen fällt schwer. Der Itsukushima war aber der erste und darum schon sehr intressant, trotzdem möchte ich auf den vierten und letzten Artikel dieser Trilogie verweisen wo ich etwas nächer auf die Schreinerei in Kyoto eingehe. Nach dem obligatorischen Foto vor dem Torii im Meer machten wir uns auf den Rückweg. Inzwischen hatte es wieder zu Regnen begonnen. Die Wildtiere waren nicht mehr aufdränglich sondern damit beschäftigt, sich unter dem Vordach der Infotafel zu verkriechen.

Schiff nach Miyajima
Bettelwild
Torii am Itsukushima Schrein
Wild im Regen

Den vierten und letzten Teil mit dem Titel „Von vollen Städten und einsamen Gipfeln“ gibt es demnächst hier in diesem Blog.

Links

Artikel der Badischen Zeitung anlässlich des 70ten Jahrestages des Bombenabwurfs: http://www.badische-zeitung.de/ausland-1/verzweifeln-verdraengen-vergessen–109169404.html
Informationen über Hiroshima: http://www.hiroshima-navi.or.jp/de/konnamachi/
Weiterer Reisebericht über Hiroshima: http://www.umdiewelt.de/Asien/Ostasien/Japan/Reisebericht-4926/Kapitel-4.html
Special Exhibit about Sadako in the Hiroshima Virtual Museum: http://www.pcf.city.hiroshima.jp/virtual/VirtualMuseum_e/exhibit_e/exh0107_e/exh01071_e.html
Blogbeitrag zu Sadakos Papierkranichen: http://futurefire.de/?p=838
Buchrezession Sadako will leben: http://www.friedenspaedagogik.de/datenbank/kjkf/detail.php?id=27157

Orte

Die Karte zeigt eine Übersicht über die im Beitrag genannten Orte:


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Written by Florian

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