Pause am Baikal

Pause am Baikal

Haus in Baikalskoje

Haus in Baikalskoje

Über Severobaikalsk muss man nicht viel sagen. Es ist eine Stadt aus Plattensiedlungen die ihre Existenz dem Bau der BAM zu verdanken hat. Alles in allem wirkt sie recht trostlos und man fährt gerne weiter. Es gibt allerdings schon einen Grund hier Station zu machen: den Baikal, der majestätisch die Landschaft dominiert. Eine tolle 18 km lange Wanderung führte uns bei bestem Wetter am See entlang. Der Guide den wir abends noch getroffen hatten, hatte uns am Zielort Baikalskoje ein privates Abendessen vermittelt. Das Dorf mit ca. 700 Einwohnern ist eine 300 Jahre alte gewachsene Struktur aus Holzhütten in sehr gutem Zustand.

Essen bei Tatjana.

Essen bei Tatjana.

In einem dieser Häuser erwartet uns Tatjana. Wir fanden uns in einer Küche wieder, die mich an die meiner Oma erinnerte. Das Essen war bereits fertig. Es gab zuerst eine Fischsuppe und den vorderen Teil eines Fisches der „heute Morgen noch im Baikal geschwommen ist“, dazu leckeres selbstgebackenes Brot. Als Hauptgang gab es die hintere Hälfte des Fischs gebraten und anschließend einen selbstgebackenen Fischkuchen (Der war unter den guten Sachen das Beste). Zum Nachtisch wurde selbstgebackener Streuselkuchen mit Beerenfüllung gereicht. Wir rollten uns am Schluss nach 2 Bechern Tee aus dem Haus. Tatjana wollte für 2 Personen gut 10 Euro haben. Der Besuch bei Tatjana war der bisherige Höhepunkt der Reise und ich konnte beruhigt wieder den Zug 76 besteigen.

Alles hat ein Ende: Der ferne Osten

Rußschleuder übernimmt.

Rußschleuder übernimmt.

Irgendwo hinter Sibirien

Irgendwo hinter Sibirien

In Taksimo endet die Oberleitung und die E-Lok wurde durch eine Ruß-Schleuder ersetzt mit der es bis Tinda weiter ging. In Tinda, war Zug 76 am Ziel angelangt. Wir aber waren noch nicht am Ziel und so mussten wir Umsteigen. Der Anschlusszug brachte uns bis an den Amur nach Komsomolsk wo wir schon wieder umsteigen mussten in einen Zug Richtung Wladiwostok. Fast artetete das Ganze in Stress aus. Aber schließlich, nach über 10.000 km on the (Rail-) Road hatte auch dieses Russland langsam ein Ende.

Sibirischer Sonnenuntergang

Sibirischer Sonnenuntergang

Tagelanges Tatack-Tatack und Ganzkörperwäsche auf dem Zug-Klo würden bald vorbei sein. Wir fuhren den Amur hinunter und bis Wladiwostok war es nur noch eine Nacht. Längst hatten wir Sibirien hinter uns gelassen, das Gebiet hier nennt sich „der ferne Osten“ Den sibirischen Tiger konnte ich nicht entdecken und auch der Bär hatte sich nicht gezeigt, vor dem man uns schon gewarnt hatte. Ich hatte auch nicht das Gefühl gerade China umrundet zu haben, der Wald hier sah aus wie daheim. Aber die Erkenntnis bleibt: es gibt sie wirklich, die Züge die einfach mal so eine Woche am Stück um die Welt fahren. Und schon wieder: wo sonst beschäftigt man sich 24 Stunden vor der Ankunft schon mit dem nahenden Ende der Fahrt? „Heute muss ich nicht mehr aussteigen“ aber immerhin bereits morgen.

Blick auf Wladiwostok

Blick auf Wladiwostok

Wladiwostok ist eine geschäftige Metropole. Das russische Militär ist hier stationiert und auch die Schiffahrtsrouten bedenken die Stadt. Wladiwostok zeigte sich uns von seiner trüben und wolkigen Seite. Wir absolvierten das Touristen-Pflichtprogramm indem wir mit der Standseilbahn auf den Hausberg fuhren, das U-Bot besichtigten und durch die Stadt spazierten. Bis zur Abfahrt unseres Schiffes waren es noch vier Tage und es stand noch etwas Besonderes auf dem Programm. Wir wollten den chinesischen Aussichtspunkt Fang Chuan besuchen von dem man auf den Dreiländergrenzpunkt von China, Russland und Nordkorea blicken kann.

Ausflug ins Reich der Mitte

Markt in Hunchun

Markt in Hunchun

Tempel in Hunchun

Tempel in Hunchun

Die Busverbindung ins chinesische Hunchun hatten wir so einigermaßen herausbekommen, ein Hotel konnten wir nicht im Voraus buchen. Der Plan war, in Hunchun dreimal zu übernachten um am dritten Tag zurück nach Wladiwostok zu fahren. Hunchun ist das Mekka für ostrussische Kaffefahrten und die Einreise aus Russland ist nur mit dem chinesischen Linienbus ab Slavynka möglich. Wir fuhren also erstmal mit einem russischen Bus bis nach Slavynka. Im örtlichen Fahrplanbüro vergewisserten wir uns ob der chinesische Bus tatsächlich wie gedacht fährt was auch der Fall war. Ebenfalls informierte sich dort eine recht extrovertierte Dame mit der wir ins Gespräch kamen, naja ich ja nicht, weil ich kein russisch kann.

Mit dem Fahraddtaxi

Mit dem Fahraddtaxi

Sie war Reiseleitern für eine Kaffeefahrt, ein Beruf der genau zu ihr passte. Normalerweise wohnt sie in Italien aber immer mal wieder kommt sie hier her zum Arbeiten. Die Frau redete viel, es war kein Problem, das Gespräch aufrecht zu erhalten. Als sie erfährt, dass wir noch keine Unterkunft haben empfiehlt sie uns das Hotel in dem sie selbst wohnen werden. Die Kaffeefahrer ließen sich von der Grenzstation mit einem Großraumtaxi abholen und direkt zum Hotel bringen und wir wurden kurzerhand eingeladen einfach mitzufahren. So hatte sich das Hotelproblem auch gelöst. Wir gingen abends auch mit der Gesellschaft essen die sich jedoch zum Leidwesen der Reiseleiterin bereits sehr sublimiert hatte, wir waren zu viert.

Zurecht finden

Zurecht finden

Von der Rezeptionistin ließen wir uns am nächsten Tag das Wort „Busbahnhof“ in Chinesisch auf einen Zettel schreiben und zogen los. Hunchun war meine erste Begegnung mit China. Wir besichtigten einen Tempel der Elemente eines Vergnügungspars aufwies, spazierten durch eine menschenlehre Fußgägnerzone die künstlich und kulissenhaft wirkte und wir sahen gesichtslose Trabantenvorstädte von einem Hügel vor der Stadt aus. Die Funktion einer Einkaufsstraße hatten einige wenige Hauptstraßen im Zentrum die am Verkehr regelrecht erstickten. Dort fanden wir eine Imitation eines Kaffeehauses mit leckeren Tortenauslagen im Schaufenster. Aufgrund des nahenden Abendessens beschränkten wir uns auf einen Kaffee der tatsächlich genießbar war. Mein Eindruck war, dass selbst das berühmte chinesische Lächeln eine Fassade ist. Vielleicht kennt man wenn man Honchun kennt nicht ganz China aber Honchun war eine interessante aber keine schöne Erfahrung.

"Busbahnhof"

„Busbahnhof“

Als wir am nächsten Tag unsere Fahrkarten für den Bus nach Russland kaufen wollten erfuhren wir, dass an dem Tag keine Buse fahren würden, der Grenzübergang sei wegen eines Feiertags geschlossen. Eine Nacht länger bleiben ging nicht. Wir würden unser Schiff verpassen aber am Abend gab es noch einen Bus bis Slavyanka. Einen Anschluss nach Wladiwostock gab es allerdings nicht. Wir kauften die Tickets. Hoffentlich finden wie in Slavynka eine Unterkunft. Mit dem Taxi fuhren wir zurück zum Hotel und checkten aus. Es war noch viel Zeit bis zu Abfahrt. Zeit genug um den geplanten Ausflug an das Dreiländereck mit einem Taxi zu machen.

Nordkorea

Busbahnhof

Busbahnhof

Gesagt – getan, wir fuhren los. Irgendwann, nach ein paar Kilometer führte die Straße dann am Grenzfluss entlang, auf der anderen Flussseite war bereits Nordkorea. Wir fahren an einer Brücke, einem Grenzübergang vorbei, ein eigentümliches Gefühl, verschiedene böse Achsen gehen mir durch den Kopf. Die Taxifahrerin hielt pflichtbewusst an einem Museum das wir höflich wie wir waren auch besichtigten. Es war vielleicht gar nicht so schlecht, dass ich nichts von dem was da stand verstehen konnte. Die Fahrt ging weiter bis zu einem großen Parkplatz. Weiter konnte uns die Fahrerin nicht bringen, ab hier ging’s nur noch mit dem Zubringerbus weiter, sie würde aber auf uns warten. In dem Bus waren nur Einheimische, wir fielen auf. Den hübschen Mädels erfüllten wir den Wunsch nach einem gemeinsamen Foto natürlich sehr gerne, den ihren Müttern höflicherweise. Und dann waren wir da. Vorne irgendwo im Fluss war das Dreiländereck. Weiter hinten die Eisenbahnbrücke von Russland nach Nordkorea, über die gerade sogar ein Zug fuhr. Ein eigentümlicher Ort. Es begann zu regnen.

Blick auf das Länderdreieck von Russland, China und Nordkorea

Blick auf das Länderdreieck von Russland, China und Nordkorea

Wir machten uns auf den Rückweg. Zurück in Hunchun am Busbahnhof verabschiedeten wir uns von unserem Chauffeur und reihten uns in die Schlange der wartenden ein. Die Schlange bestand nur aus Russen, wir waren richtig. Ich kaufte mir vom Wühltisch noch zwei Tafeln Schokolade die so intensiv nach nichts schmeckten dass ich mich fragte ob ich versehentlich die Packung gegessen hatte. Ich entsorgte beide Tafeln. Die Fahrt verlief problemlos und auf der anderen Seite in Slavyanka bekamen wir tatsächlich noch ein Zimmer für die Nacht, die Anspannung war weg und wir steuerten die nächste Pizzeria an die auch gleichzeitig die Einzige war.

Nordkoreanisches Restaurant in Wladiwostok

Nordkoreanisches Restaurant in Wladiwostok

Wenn man nach einem 2 tägigen China-Ausflug nach Russland zurück kommt hat man ein unerwartetes Gefühl, nämlich ein Gefühl wieder nach Hause zu kommen, wieder in eine vertraute Umgebung zu kommen. Grundsätzlich kann festgehalten werden, dass die Dichte an Chinarestaurants in Hunchun noch viel größer ist als beispielsweise in Wien oder Schwäbisch Hall und das muss schon was heißen. Mir hat das Essen dort sehr gut geschmeckt, der Chinese als solches kocht schon sehr gut – aber drei Mal am Tag Chinesisch ist selbst einem eingefleischten Fan wie mir zu viel und ich war froh in Russland wieder eine Pizza und Blinis essen zu können. Die Busfahrt nach Wladiwostok am nächsten Tag war unproblematisch: Bevor wir am darauffolgenden Tag Richtung Japan ausliefen rundeten wir die Nordkorea-Erfahrung mit einem Abendessen im nordkoreanischen Restaurant in Wladiwostok ab. Das Essen schmeckte ausgezeichnet und unterscheidet sich vom südkoreanischen Essen vermutlich nur unwesentlich. Es waren nicht viele andere Gäste anwesend und die zwei Bedingungen erstaunten uns mit einer Gesangseinlage von mutmaßlich nordkoreanischen Volksliedern die sie uns zum Essen darboten – bei den Links habe ich Helmuts Video von der Gesangseinlage verlinkt.

Über den 3. Teil der Reise – „Hiroshima“ könnt ihr ab 26.12.2015 in diesem Blog lesen.

Bilder

Stöbere auch in dem dazugehörigen Fotoalbum auf Flickr.

Links

Informationen und Geschichten rund um den Baikalsee

Helmuts Video aus dem Nordkoreanischen Restaurant

Helmuts Blog zu seiner berühmten Nordkoreareise von 2008

Über Hunchun und das Dreiländereck „Fang Chuan“ informiert die Reiseagrntur KTG

Orte

Die Karte zeigt eine Übersicht über die im Beitrag genannten Orte:

Direkt zur KML-Datei

Written by Florian

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