Irgendwie ging alles immer recht schnell. Nach einem Jahr Ausbildung hatte ich die A-Schein-Prüfung – Ok, das war recht lange aber nach einem weiteren Jahr hatte ich schon den B-Schein und außerdem schon über 120 Flüge. Ein neues Ziel musste her. Ich beschloss, den Tandemschein zu machen. Sollte ja kein Problem sein: noch 80 Flüge sammeln, den Eingangstest machen, den Kurs und dann ein paar Flüge sammeln, Prüfung, fertig. Ach ja, und dann war da noch die Theorie. Sollte alles in allem recht schnell machbar sein. Das war im Frühjahr 2015.

 

Startvorbereitung in Bassano

Ich fing an, Flüge zu sammeln und schaute mich nach Möglichkeiten um, einen Eingangstest zu machen. Die erste Möglichkeit ergab sich im Herbst 2015. Ich wusste nicht, was auf mich zukam und ging einfach hin. Der erste Versuch scheiterte daran, dass ich mit meinem damals neuen Mentor 4 keine gehaltene Klapper geübt hatte. Er drehte immer weg. Irgendwann hatte ich es heraus, dann war der Föhn da. Einen zweiten Versuch gab es nicht. Mit dem Föhn ging das Jahr zu Ende und ich hatte eigentlich keine Lust zu warten. Ich schrieb Mails an alle möglichen Leute um diesem blöden Eingangstest endlich machen zu dürfen. Und da war sie. Irgendwo in Österreich gibt es eine Flugschule die einen Einführungstest anbietet. Ich fahre hin und fliege – über Land?!? Ohne Spirale? Ich wundere mich, aber ich bekomme den Stempel. Man versichert mir, dass alles seine Ordnung habe. Ein paar Wochen später mache ich mich auf die Suche nach einer Flugschule. Es gibt viele österreichische Flugschulen, die eine Tandemausbildung anbieten aber werden die auch anerkannt? Oder vielleicht gleich eine österreichische Zulassung beantragen? Ich rufe beim DHV an und erkundige mich. Ich erfahre, dass ich die Ausbildung in Österreich machen kann, wichtig ist nur, dass alle Übungen bescheinigt werden und ich die DHV-Prüfung mache. Und mein Eingangstest ist ungültig.

Im Winter hatte ich Theorieunterricht und Prüfung bei meiner Heimatflugschule gemacht und eine gebrauchte Tandemausrüstung gekauft. Irgendwann braucht man sie eh und warum soll man in der Ausbildung Aufpreis für eine Leihausrüstung bezahlen? Zum Beginn der praktischen Ausbildung wurde dann auch die Passagierhaftpflicht fällig.

Praktische Ausbildung

Ich melde mich bei einer Flugschule an, mit der ich vorher bereits Kontakt hatte und die mir damals einen guten Eindruck machte. An Ostern sollte es losgehen. Der erste Schulungstag. Doch wie ist das mit dem Passagier? Brauche ich einen oder gibt es dort welche zum Ausleihen? Ich hatte glück, es ab einen weiteren Tandemschüler und wir konnten uns abwechseln. „Ihr geht
nicht an den Übungshang“, „Ihr könnt ja schon fliegen“ sagte uns der Fluglehrer. Ich glaubte ihm und freute mich. Wir kamen an ein recht steiles Startgelände, auf dem es in der Nacht 1 cm geschneit hatte. Wir hängten uns irgendwie ein und wurden irgendwie kontrolliert und starteten irgendwie, rutschten wie auf Schmierseife, schlitterten mehrmals den Hang hinunter aber taten uns nicht weh. Auch das Landen endete regelmäßig unschön. Erst, als ich später eigenständig geübt hatte, waren die Starts und Landungen besser. Ich war jedenfalls ziemlich deprimiert nach dem ersten Tag und auch der zweite lief nicht besser. Immer wenn ich was fragte kam die Antwort ich wäre doch Tandemschüler. Sowas müsse ich doch wissen. Das nötige Wissen zur Technik und Passagierbetreuung habe ich mir im Nachhinein erfragt und beigebracht und mache es immer noch.

Örtlich war ich immer noch an die Flugschule gebunden da ich noch weitere „beaufsichtigte“ Flüge machen musste, aber ich musste das besser organisieren. Da potentielle willige Passagiere mit Flugschein rar sind bestellte ich meinen fliegenden Bruder aus Norddeutschland über Pfingsten nach Österreich ein und eine Freundin, die sollte den Fahrdienst machen. Wir schafften so 20 Flüge in 3 Tagen. Das war sehr produktiv.

Zwischendurch fuhr ich zum Hallstätter See um den Eingangstest zu machen. Den gehaltenen Klapper hatte ich geübt wie blöd – und es war kein Problem. Der Eingangstest war nach dem 3. Anlauf mein. Vorher hatte ich mich entschieden den deutschen Tandemschein zu machen mit der Begründung, dass dieser auch ohne Medical gültig sei. Der Österreichische hingegen nicht.
Mit dem deutschen Tandemschein benötige ich ein Medical nur, um in Österreich zu fliegen. Kann ich kein Medical mehr bekommen, darf ich außerhalb Österreichs trotzdem fliegen, ein österreichischer Tandemschein würde ungültig werden. Mit meiner Bille hat mich das überzeugt. Der Plan, den Tandemschein zu machen war nun ein Jahr alt.

Im Endanflug

Zehn Flüge benötigte ich noch. Bruder aus Norddeutschland ist auf die Dauer zu teuer. Aber meine Freundin, die ich eigentlich fliegen wollte machte nun selbst fleißig den A-Schein. Ich musste also nur warten bis der reife Passagier „vom Himmel fällt“. Im Herbst stand sie dann vor mir: die frischgebackene Tandemübungsflugpassagierin. Zum nächsten schönen Herbstwochenende ging es somit zum Bischling um 10 Übungsflüge zu fliegen. Es war ein herrliches Wochenende und hier haben sich sonderbare Dinge ereignet. Meine Freundin traf jemanden, den sie vom Übungshang kannte, wo er erste Tandemstartübungen gemacht hatte. Er flog an diesem Wochenende seine ersten fertigen Tandemflüge. As er mich sah erkannte er mich als einen von zwei weiteren, mit denen er zusammen den Eingangstest am Krippenstein gemacht hatte. Außerdem traf ich noch jemanden beim Flüge sammeln den ich einige Jahre zuvor bei einem Hike and Fly Wochenende (siehe auch hier) kennen gelernt hatte. Die beiden hatten das Übungsflüge sammeln perfektioniert und waren ungefähr doppelt so schnell wie wir.

Der Abschluss

Endlich war der Abschluss der Tandemausbildung in Sicht. Ich hatte alles zusammen für die Prüfung. Jetzt musste nur noch ein Prüfungstermin auf gutes Wetter treffen. Das war irgendwann im Oktober 2017 soweit. Was bei diesem Prüfungsantritt passiert war, hatte ich bereits im letzten Blogbeitrag beschrieben jedenfalls hatte es nicht geklappt mit dem Schein. Erst als zu meinem zweiten Prüfungsantritt, Mitte 2018 konnte ich Vollzug melden. Ich reichte die Unterlagen beim DHV ein und bekam – nix. Auf nachfrage teilte man mir mit, dass mein Flugbuch veraltet wäre und ich noch 10 beaufsichtigte Flüge nachreichen müsse, die Vorschriften wären geändert worden. Ich konnte die Flüge nachdokumentieren lassen und bekam den begehrten Schein.

Inzwischen habe ich den einen oder anderen Passagierflug hinter mir und stelle fest, dass eine fundierte Ausbildung durchaus seinen Sinn gehabt hätte und es mit dem runterreißen von Flügen nicht getan ist. Vor allem wenn man die Verantwortung für ein Menschenleben übernimmt sollte man wissen was man tut. Popolandung oder stehend? Nebeneinander oder hintereinander? Wie
helfe ich dem Passagier beim Hinsetzen? Was ist bei Starkwind – Bekommst Du den Schirm runter? Was ist der Unterschied zwischen oberer und unterer Gewichtsgrenze – bei mir immerhin 110 kg Unterschied? Was ist, wenn der Passagier stolpert? Wie kann ich den Schirm ausflairen? Mein Schirm neigt zum Überschießen. Ich merkte lange nicht, dass ich einmal wickeln muss, um ihn ordentlich abbremsen zu können. Auch meine Starttechnik ist beim letzten Sicherheitsraining auf den Prüfstand gestellt worden und ich warte auf eine Gelegenheit, das gelernte auszuprobieren.

Danke an alle die mir mit Tipps und Tricks geholfen haben. Kürzlich habe ich von einem Piloten gelesen, dass er einem Passagier immer sagt „Starten ist wie tanzen, aber der Schirm führt“. 2 Jahre waren seit der Idee vergangen bis zum fertigen Schein obwohl es eigentlich nur 40 Flüge sind. Es macht sehr viel Spaß und ich freue mich auf jeden Flug. Einen der schönsten Tandemflüge könnt ihr in nachfogendem Link sehen…

 

Written by Florian

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