Coole Sache, das Wetter passt, Föhn ist unkritisch und Wind von Süd angesagt. Klarer Fall für einen Neu-Münchner: das Brauneck. Ich verabrede mich mit einem Freund der sich da auskennt – denn ich war da noch nie – und schwinge mich in die BOB die, mit einer an den Nerven zehrenden Gemütlichkeit Richtung bayrischem Oberland tuckert. Endlich in Lenggries angekommen ignoriere ich den Bus zur Seilbahn und mache mich zu Fuß auf den Weg.

Ankunft
Skifahrer - unten

Das ich da war, merkte ich an einer nicht enden wollenden Menschenschlange aus Skifahrern, gespickt mit einzelnen Gleitschirmfliegern, die natürlich alle mit der Seilbahn nach oben wollten – es war schließlich Samstag. Ich ignorierte die Schlange und erkundigte mich in der Flugschule nach den Landeplätzen. Man wies mich zu einem Landeplatz, den ich auch gleich besichtigte. Ich stellte fest, die Bergnase Richtung Süd könnte bei Südwind Schwierigkeiten bereiten. Auf dem Weg zurück zur Schlange sprechen mich zwei Langläufer an – „ob ich gerade gelandet wäre?“ Ich verneinte und die Kollegen wiesen mich darauf hin, dass die Bergnase bei Südwind Probleme bereiten könnte und es gäbe da noch den Drachenlandeplatz jenseits des Parkplatzes. Ich verzichtete auf eine Besichtigung und freundete mich mit der Schlange an.

Nach einer halben Stunde war ich schon in der Gondel. Ich quetschte mich mit meinem Rucksack zu drei Leuten dazu die daraufhin, wie es ein Freund aus Norddeutschland einmal ausgedrückt hatte „sehr bayerisch gekuckt“ haben. Es waren drei Franzosen die, nachdem ich mal zur Ruhe gekommen war, auch gleich wieder zufrieden waren. Oben angekommen stand ich vor dem nächsten Problem. Wo sind die Startplätze? Glück braucht der Flieger. Gerade spuckt die Bahn noch einen mit großem Rucksack aus und ich spreche ihn an. 1 Minute später sind wir mitten im Fachsimpeln und auf dem Weg zum Südstartplatz – so mag ich das.

Skifahrer - oben
Parawaiting
der Erste...

Das Fachsimpeln hat allerdings das unerfreuliche Thema der möglichen und unmöglichen Windrichtungen am Brauneck. Es gäbe eigentlich nur eine unmögliche Windrichtung und das wäre Westwind und die Windfahnen deuten alle auf einen Westwind hin. Auch meine neue Bekanntschaft hatte eigentlich mit Südwind gerechnet. Am Startplatz angekommen ist das Parawaiting schon in vollem Gange. Wie sich heraus stellt hatten eigentlich alle mit Südwind gerechnet, und nun ist Westwind. Im Westen schließt sich direkt ein weiterer Berg an und wir befinden uns direkt im Lee davon.

Startplatz

Ich schreibe meiner Verabredung eine Nachricht mit den Neuigkeiten – er schreibt zurück, dass er gerade unten in der Schlange steht. Nach einer Stunde beschließen wir einen Kaffee im Gipfelhaus zu trinken. Zurück am Startplatz sehe ich die Nachricht, dass meine Verabredung am Startplatz wäre. Ich kann ihn nicht entdecken und schreibe zurück, dass ich auch da bin. Einige Minuten später schreibt er mir, dass er nun wieder unten ist… Es ist kein Tag für einen Zweitflug und darum fährt er wieder heim.

Landung
Landeplatz
Schnee

Inzwischen wagen einige den Start am Nordstartplatz, auch ich mache mich fertig und starte. Das gute am Westwind ist, dass er einen Richtung Landeplatz bläst und man so ziemlich sicher auch raus kommt aus dem Tal, das schlechte ist, irgendwo kommt man ins Brauneck-Lee denn der Landeplatz ist auf der anderen Seite. Der Flug war etwas holprig aber alles in allem sicher. Nach der Landung machte ich mich auf den Heimweg, nicht ohne mich mit der neuen Bekanntschaft noch auf ein Hike and Fly zu verabreden wenn‘s weniger Schnee hat.

Das alles mag für den genigten Leser klingen wie ein doofer Tag, ich fand ihn jedoch schön. Wer mit solchen Überraschungen nicht umgehen kann ist für diesen Sport nicht geeignet und oft genug sind die Überraschungen auch von positiver Natur. Ich konnte Sonne genießen, Berge, nette Leute und einen Flug gab es ja auch noch…

30.01.2016 – Nachtrag: Am darauf folgenden Tag (Sonntag) gab es am Grubigstein perfekte Flugbedingungen mit Winterthermik und es war wenig los. Nach 45 Minuten Thermikflug inklusive Startplatzüberhöhung musste ich  abbrechen da ich heftig zu frieren begann. Insgesamt flog ich 4 Mal. Heute habe ich einen leichten, angenehmen Muskelkater im Oberkörper 🙂

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Written by Florian

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